Band 
[Erste Abtheilung.]
Seite
466
JPEG-Download
 

466 x^vm. Brief. Von der Luft und Lebensart

Ihre Anzahl.Tracht.

Tractamen-ten in Rom.

Miethkut-

schen.

Keine Leuch-ten.

tere und begreiflichere Lehrart erwählet hätte. Die Anzahl der Juden erstreckt sich auf neun-tausend Seelen, und müssen nach des Pabstes Paulus des vierten Verordnung die Manns-personen einen rothen tappen auf dem Hute und die Weiber dergleichen auf dem Kopfe tra-gen, um sich von den Christen zu unterscheiden.

Es ist zu verwundern, daß man die den Kardinälen so beliebte und fast eigene Farbezu diesen Zeichen genommen. Vorzeiten lebten sie zerstreuet in der Stadt; besagter Pabstaber, der gar kein guter Freund von ihnen war, hat sie in ein enges Quartier nicht weit vonderTyber verwiesen, woselbst sie sich sehr armselig und unsauber behelfen.

Was das Essen anlangt, so ist es in Rom besser als in vielen andern Orten Italiens,hingegen ist unter dem in hiesigen Landen gewöhnlichen Preis von Mahlzeiten der Wein all-hier nicht begriffen, sondern ein jeder versorget sich selbst damit nach seinem Geschmacke, wel-ches ohne große Kosten geschehen kann. Durch ganz Italien sind die Tauben sehr gut, großund fett. Das Kalbfleisch ist wohlschmeckend, sonderlich von denen so genannten Vitelleinongane, die kein Gras zu fressen bekommen, sondern nur mit Milch und Eyerdottern auf-gefuttert werden m). Das Schweinenfleisch wird auch für besser als in Frankreich oderDeutschland gehalten, weil diese Thiere durch den ganzen Winter mit Weinbeerhülsen ge-füttert werden, und sonst viele Morgeln, Trüffel und Kastanien zu fressen bekommen. Kü-chen - und Kräuterwaaren sind das ganze Jahr hindurch zu haben. Die Früchte sind treff-lich , und zieht man insbesondere die Melonen von Perugia und ihre Art allen andern vor.Diejenigen, so gern frühzeitig im Jahre Obst haben wollen, lassen solches von Neapolisbringen, woher auch die reifen, obgleich mit Kunst gezwungenen Kirschen kommen, welchealle grüne Donnerstage den Kardinälen, wenn sie beym Pabste gewöhnlicher maßen speisen,vorgesetzt werden. Ueberhaupt reifen die neapolitanischen Baumfrüchte zwar früher, hinge-gen aber werden die römischen von besseren Geschmacke gehalten. Die Italiener bitten dieFremden selten zu Gaste; in Rom aber kann man leicht mit etlichen Kardinälen Bekannt-schaft machen, an deren Tisch man bisweilen geladen wird. Bey solchen Gastessen wirdnichts ersparet, weil man die Mahlzeit an die Bedienten der Kardinäle reichlich bezahlenmuß. Die Betteley dieser Leute geht so weit, daß sie gleich des folgenden Tages kommenund um eine Verehrung oder boua nimm anhalten, sobald man nur den Fuß in ihres HerrnHaus gesetzt hat, wenn man auch gleich nicht vor ihn gekommen ist. Dergleichen Anspruchhat man auch, wenn man in andern Häusern bey einer Musik oder einem Spiel gewesen, oderaus andere Art die geringste Höflichkeit genossen hat.

Ein Fremder kann in Rom eines Wagens nicht entbehren. Währender Carnavals-lust muß man solchen täglich mit vierzehn und mehr Paoli bezahlen, des Sommers aber hatman solchen für neun und weniger. Die ?ortecbaisc8 sind sehr rar allhier, und zu einzelnenGängen gar nicht zu haben. Außer dieser Unbequemlichkeit finde ich auch diese, daß desNachts keine Leuchten auf den Straßen angesteckt werden: und weil ich einmal bey dem,was mir in Rom misfällt, mich aufgehalten, so will ich ferner nicht bergen, daß mir die Art,

m) Den Namen Klonxsns führen etliche atsntmnmollo mstruni uderidus her.M Wie man auch die Bischöfe, so von aus-wärtigen Bißthümern, die sie nimmermehr be-kommen werden, den Namen führen, Lsslcoporin psrtibus nituleliuni nennet-«) Alexander der siebente gab der Königinn

Christina eine jährliche Pension von zwanzig tau-send Scudi aus den Einkünften der Stiftung <ie

propAAgniis 6(le.

/>) Die Prinzcßinn Maria Charlotta vermähl-te sich nachmals mir Fried. Casimir Prinzen vonTurenne, und nach dessen im Jahre 172z erfolg-ten: Tode mit seinem noch itztlebenden Bruder.