Band 
[Erste Abtheilung.]
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470
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Affairen zwi-schen demenglischenMinisteriound dempäpstlichenStuhle.

Die Englän-der sind zuRomgefürchtet.

47s x^vm. Brief. Voll des Prätendenten Person

macht, daß er Gelegenheit giebt zu glauben, er sey ein Atheist und von einem so hitzigen Ko-pfe, daß er alles zu wagen und zu unternehmen fähig sey. Er drohet gleich, den SamtLivre Sterling anzurufen, und sich selbst Recht zu schaffen, wenn man ihm solches nichtalsbald wiederfahren lassen will. Vor etlichen Jahren stieß bey nächtlichem Fahren seinWagen gegen einen andern, in welchem eine unter großem Schutze sich befindende Damefuhr. Der Diener derselben sprang ab vom Wagen, und gab dem Kutscher des S. etlicheStockschläge, S. aber verhinderte, daß seine Leute sich nicht selbst rächeten. Des andernTages klagte er und federte Satisfaction, widrigenfalls er selbst den Thäter ausforschenund sich rächen wollte. Der damalige Gouverneur der Stadt, Falconieri, that mancherleyVorschläge, die Sache beyzulegen, aber vergeblich, weil S. auf der öffentlichen Geißelungdes Thäters bestund. Falconieri sagte einsmals in der Hitze zu S., warum er nicht denThäter auf der Stelle erstochen hätte, die Welt würde dadurch nichts eingebüßet haben, alsLaß ein nichtSwürdiger Kerl weniger geworden, ihm aber, dem Falconieri, würde solchesviele Mühe und Verdruß ersparet haben. Die Untersuchung kostete dem Pabstebey drey-hundert Scudi, weil man anfänglich keine genaue Nachricht von dem Thäter hatte, endlichaber mußte dieser doch auf fünf Jahre nach den Galeeren wandern, welches eine Strafe istfür Leute, die sich an den Bedienten der auswärtigen Gesandten vergriffen haben.

Der Pabst hat als ein mächtiger weltlicher Fürst vielen Einfluß in die italienischenHandel, mit welchen die Ruhe Europens verknüpfet ist. Es mangelt also nicht an Gelegen-heiten, da durch die dritte Hand etwas mit dem englischen Hofe abzuhandeln ist, und mandes englischen Ministem nöthig hat. Was sonst desfalls vorgekommen, ist durch den Kar-dinal, der die kaiserlichen Geschäffte in Rom unter Händen hatte, besorget worden, und ge-schieht nun, seitdem einiges Misvergnügen zwischen dem großbritannischen und kaiserlichenHofe eingeschlichen ist, durch den Kardinal-Protector der Krone Frankreich. Noch wenigTage vor des Pabftes Benedicts des dreyzehnten Tode habe ich einen eigenhändigen Briefdes Kardinals von Polignac gesehen, worinnen er den S. inständig bittet, eine gewisse Sa-che nicht zu Thätlichkeiten kommen zu lassen, sondern dem Collegio der Kardinäle nur Zeitzu gönnen, welches vollkommen geneigt sey, den Herren Engländern Gerechtigkeit wieder-fahren zu lassen. Der Handel betraf Hrn. Stanhope, einen Bruder des Grafen von Che-stersield, welcher sich in der Person seines Bedienten beleidigt fand. Bey dem Ausgehenaus der Opera rief der Lackey eines Kardinals, sein Herr käme und man sollte Platz ma-chen. Nun erfodert sowohl die Höflichkeit als das Recht, daß man bey solcher Gelegenheitweiche; allein diesesmal war des Kardinals ledige Kutsche noch weit hinter andern zurück,hingegen des Stanhope Wagen schon vor der Pforte, und er im Begriffe einzusteigen.Sein Diener zeigte dieses dem Officier, so die Leute zurück treiben wollte, und verlangte,man sollte vorerst seinen Herrn, dessen Namen er doch nicht nennte, wegfahren lassen. DerOfficier aber nahm so wenig die geschehene Vorstellung an, daß er vielmehr den Diener mitdem Stocke über den Kopf schlug. Die Engländer foderten zur Satisfaction, daß der Of-ficier seiner Bedienung entsetzet werden sollte, welches sehr schwer würde zugegangen seyn,weil er ein Verwandter des Kardinals Coscia war; indessen ließen sie ihn wohl beobachten,und getrauete er sich so wenig aus dem Hause, daß er eine Krankheit verwandte, oder viel-leicht aus Furcht wirklich darein verfiel. Die darauf erfolgte Vacanz des päbstlichen Stuhlsbringt den Officier ohnedem um seine Bedienung, und seinen Beschützer um alles Ansehen;daher kann es wohl seyn, daß die Sache dabey beruhet. Das gemeine Volk hält es in sol-chen Fällen mit den Fremden, und würden sie sehr ungern sehen, daß man eine Nation, wel-