von den Kirchen irr Rom. 609
auch der Beerdigung der todten Körper bedienet haben. Es beweisen diesen Saß viele inden Catacomben befindliche Grabschriften, die nicht nur mit den Buchstaben l). Xl. anfan-gen, (als welche man noch erklären könnte Oeo Xlgximo) sondern theils auch die ausge-drückten Worte Oiis lvl-imbus vorzeigen, vor welchen jeder Christ einen Abscheu würde ge-tragen haben. Dahin gehört der Stein, welcher ehemals in Oawcombig 8. 8eballik>ni ge-funden worden, und itztin dem kc1u5«0 kircberiano aufgehoben wird, mit der deutlichen In-skription :
Oüs ^lanibns
krincipio kilio äulciilimo 5uc> poßuit,gui vixit ann. VI. öie» XX.in pace.
Wobey ich abermals anzumerken bitte, daß dieses Grabmaal einem kleinen Knaben ge-seßet worden. Als ich einem gelehrten Jesuiten aus diesem Epitaphio einen Einwurf wi-der die gemeine Meynung, daß in den Latacombis lauter Christen begraben lägen, machte,antwortete er: es sey vielleicht aus Unwissenheit der ersten Christen geschehen, die nicht ver-standen hätten, was die Worte Oüs Mmibur sagen wollten, sondern weil sie solche auf sovielen andern Steinen gefunden, hätten sie sie ohne ferneres Nachdenken auch auf ihre Grä-ber gesehet, zumal da sie etwan in den Gedanken gestanden, daß durch die eignes auf ani-M38 gefielet würde. Es ist auch Mabillon der Meynung, daß die Christen, nachdem siedie Oberhand behalten, die Grabsteine von den heidnischen Begräbnissen hinweg und zu denihrigen genommen hätten. Allein dieses würde nur einen Schein haben, wenn die Steineentweder ganz ohne Schriften oder wegen der Materie und Zierrathen von einiger Kostbar-keit und Schönheit gewesen wären. Nun aber, da es gar gemeine und grobe Steine, ohnealle tüchtige Zierrathen und mit schlechten Schriften sind, so sehe ich nicht, warum ein Christseinem Kinde eine heidnische Aufschrift sollte ausgesucht haben, da es dem ärmsten Menschenleicht gewesen seyn würde ein christliches Epitaphium machen zu lassen. Was die andereEntschuldigung belanget, so möchte solche gelten, wenn die Christen die Landessprache undReligion der Einwohner nicht gewußt hätten, und ihnen also unbekannt hätte seyn können, wasdie Heiden durch die Worte Üiis Xlmrlbuz hätten andeuten wollen. Und wenn sie auch diekelanes mit den iznimgbuz durch eine unglaubliche Unwissenheit vermischet hätten, so frageich annoch: was sie denn denen Wörtern kati,,I)c>mn8 -cterna Imperator! 8 und dergleichen,die man nicht weniger allhier auf Steine eingegraben findet, für einen Verstand hätten gebenkönnen, der ihnen ohne Anstoß gewesen wäre? Mabillon selbst erkennet an einem andernOrte, da er wider die Verehrung der Lvoäioe, als einer unächten Heiliginn, schreibt, daßdie auf ihren oder vielmehr ihrer Mutter Grabsteine befindlichen Buchstaben I). ^l. ein An-zeichen des Heidenthums, auch die dabey gefundene Phiole mit einer röthlichen Feuchtigkeitkeinesweges ein Gefäß mit dem Blute einer christlichen Märtyrinn, sondern eine k^rna la-crvmalis gewesen.
Ich will hier nicht mit mehrern gedenken des unversehrten Körpers eines jungenFrauenzimmers, welches unter Paul dem dritten in den Lawcombiä 8ebailiam8 ausgege-ben, und von etlichen für die Tulliola, Cicerons Tochter, ausgegeben worden.Denn daß offenbare Merkmaale vom Heidenthume dabey müssen anzutreffen gewesen seyn,kann man daraus abnehmen, daß man sie nicht als heilige Reliquien behalten wollen, son-dern abgedachter Pabst, um aller ungebührlichen Verehrung vorzukommen, sie ungeachtetihrer Schönheit in die Tiber werfen lassen. Die fabelhaften Umstände dieser Historie fin-
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