Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
994
JPEG-Download
 

994 I-XVI. Brief. Nachrichten

vielen Orten, die mit der salzigen See keine Gemeinschaft haben, sondern zehn und mehrMeilen davon entlegen sind, ansehnliche Stücke von Börnstein gesammlet, welchem es so we-nig an der Harte in der Arbeit, als an der Eigenschaft, leichte Dinge, wenn es vorher gerie-ben wird, an sich zu ziehen, mangelt. Insbesondere wird er sehr gut in einer ehemals mo-rastigen Gegend, Wirl genannt, so zum freyherrlichen bernstorfischen Gute Gartow gehöret,ausgegraben, und zwar von verschiedenen Arten, indem einige Stücke gelb und durchsichtig,andere weiß und trübe oder gleichsam wolkig, noch andere aber schwarz oder eigentlich der so-genannte OsA.ites sind. Diese Stücke Börnstein liegen einzeln in einer Torferde mit vielenFäsichen kleiner Wurzeln und grauem Sande eingehüllet, auf welche Art sie auch in ver-schiedenen preußischen Bergen ausgegraben werden. Dabey findet sich insgemein mancher-ley Holz, worein sich viel Schwefel und Harz gezogen hat.

. Die Elbe wirft an vielen Orten schöne Stücken Börnstein aus; man findet derglei-chen auch in einem languedokischen Gebirge Bugarach genannt) der aber nicht so hart alsder preußische ist, und von den Einwohnern der Gegend in ihren Lampen verbrauchet wird.

Damit man aber den Einwurf nicht machen möge, als sey vielleicht das salzige Meer-wasser vor alten Zeiten durch Ueberschwemmungen an viele anißt von der See entfernte Ge-genden gebracht, und dadurch die Zeugung oder Vollendung des Bernsteins befördert wor-den: so füge ich dieses noch hinzu, daß der Börnstein täglich sich noch in der Erde zeuge undaus einem fiüßigen oder weichen Wesen ein harter Körper werde. Eine deutliche Probe da-von hat mir vor wenig Jahren ein bey Gartow ausgegrabeneö Stück, welches anitzt in demKabinette des Chev.Sloane zu London ist, an die Hand gegeben, als auf dessen Flache einverdorretes Birkenblat (welches alle seine Adern und Spitzen aufs genaueste dem Bernsteine,worauf es lag, da er noch weich war, eingedrücket hakte) zu bemerken war. Nun hakte sol-ches Blatt nicht ganze Jahrhunderte, ohne daß es verfaulet und vermodert wäre, allhier seynkönnen, zumal da die 8mata oder Lagen, in welchen sich der Börnstein bey Gartow findet, nurzween bis vier Fuß in der Tiefe sind.

So viel ich mich-erinnere gesehen zu haben, sind die in Börnstein eingeschlossene Thie-re keine andere, als welche auf denk fußfesten Lande leben, nämlich Mücken, Spinnen, Amei-sen, Heuschrecken und dergleichen; in etlichen hat man auch Mineralien bemerket; welcheDinge alle andeuten, daß ihre Einschließung nicht erst in der See geschehen, obgleich dieSeein Preußen, Sicilien und andern Orten solche Stücke, die es vorher von den 8trzui5 der Er-de und des Ufers abgespület hat, wieder auf den Strand werfen kann, oder solche Dinge auchdurch Netze heraus gezogen werden.

Diejenigen, so den Ursprung des Bernsteins in einem Gummi oder Harze von Bäumensuchen, bedenken nicht, daß der Börnstein niemals im Wasser, wie die Gummi zu thun pfle-gen, schmelze, auch Mch kein VeZetgbile gefunden worden, aus welchem man ein harzigesOel und oeiclum volarils hätte ziehen können, wie mit demBörnsteine und andern koüiliöusgeschieht. Der zerlassene Börnstein verliert seine Härte und Durchsichtigkeit, behalt aberdi.e Eigenschaft, Spreu, oder leichte Fäsichen von Papier und andern leichten Dingen an sichzu ziehen, welches die neuern Philosophen, so etwas mehreres als diegnaluZtez occultas anzu-führen gedenken, den subtilen salzigen und schwefelichten Theilen, woraus der Börnstein be-steht, zuschreiben, indem diese durch das Reiben sich absondern, die den geriebenen Ort desBörnsteinö umgebende Luft verdünnen, und dadurch Gelegenheit geben, daß die äußere vieldickere Luft mehr auf sie dringen, dabey auch die ihr in Weg kommenden leichten Fäsichen mitsich gegen den Börnstein, wo die Luft mehr verdünnet ist, nehmen kann.

Zwo