von der Stadt Wien. 1227
Der kaiserliche Thiergarten, prarer genannt, so eine in der D«,au gelegene Insel Pxakerist, dienet des Frühlings nebst dem so benannten Stadtgute zur Spazierlust. In letzteresaber werden keine Carossen und Pferde gelassen. Der Au Garten steht zu aller Jahres-zeit offen, und ist wegen seiner angenehmen Gänge, Hecken und lustigen Waldlein niemalsohne vornehme Leute. An seiner einen Seite liegt die alte kaiserliche Burg, welche im Iah- Die aste kai-re i6Zz von den Türken in die Asche gelegt und gar wenig wiederhergestellet ist. Der strlicheDurg.Wall ist nicht so angenehm, als man sich solchen von einer mit so schönen Vorstädten umge- ^ «
denen Stadt vermuthen sollte, weil er schmal und seine Aussicht an vielen Orten verbauet ist. ^
, Außer der kaiserlichen Reitbahne, sind die fürstliche Schwarzenbergische, Lichtensteinische, Reitschule«.Diekrichsteinische und die gräfliche Stahrembergische berühmt und sehenowürdig; vor allenaber ist die gräflich Paarische in der Alstergasse auch wegen ihres wohlangelegten Platzesnicht vorbey zu gehen.
An dem rothen Thurme, unter welchem auch die Speckseite (wiewohl itzt nur von Hol- -?„fcrivtionze) hängt, so nach der gemeinen Fabel einem jeden, der sich der Herrschaft über seine Frau ^rühmen kann, zu Theile wird, liest man folgende Jnscription:
(ZuLin lclix klrbs eich qnse pacis tempors bellum,
Ante oenlos ponit, ek lua guzcgue notat.
Inc-richun gnl eulloclire putabit,
islrbem arinis, li non arma Öei alssnerint.
Leck Oens öc virtus tnt^ntur Ivlaxinnligni,
(^-cläri« liZcc klrbis incriua cuin populo.
Die Handlung der Stadt ist nicht so groß, als sie wohl nach der bequemen Lage undGröße des Ortes seyn könnte, woran die vielen Zölle einigermaßen mit Schuld sind, wo-mit sonderlich die aus Ungarn kommende Weine, Ochsen und andere Lebensrnittel belegetwerden. Die orientalische Compagnie giebt drey pro Lom für die Einfuhr, steigert aberhernach die Waaren, ohne sie in der Güte zu verbessern, wie man sonderlich an dem Cattunsehen kann, von welchem sonst mit dreyßig bis acht und dreyßig Kreuzern ist bezahlet wor-den, was itzt ein und fünfzig Kreuzer kostet. Von jeder wienerischen Elle auswärtige»
Tuches nimmt der kaiserliche Zoll einen Gulden, die eigenen Landsmanufacturen aber sindnoch nicht im Stande, daß man das feine fremde Lacken missen könnte. In England, wel-ches Königreich in der Handlung anitzt am meisten blühet, sind zwar auch Jmposten auffremde einkommende Waaren geleget, allein es werden solche erstattet, wenn die Waarewieder aus dem Lande geht, man suchet die Künstler von verschiedenen Manufakturen mitgesetzten Belohnungen aufzumuntern und die Ausfuhr der inländischen Güter zu erleichtern,daher es kömmt, daß man in etlichen auswärtigen Orten das feine englische Tuch, so aufdem Lande verfertiget worden, für eben den Preis haben kann, für welchen es in der StadtLondon, woselbst die Auflagen groß, und die Lebensmittel nebst den Häusern und Budentheuer sind, bezahlet werden muß.
Das Erdreich um Wien ist fruchtbar, und die Viehzucht gut. Auf den adelichen Viehzucht.Gütern fängt man hie und da an, Kühe aus der Schweiz kommen zu lassen, welche aberdennoch wegen der schlechtem Wende mit der Zeit ausarten, an statt daß man in recht fet-tem Lande aus schlechteren Viehe bessere Art ziehen kann. Der Unterschied, so sich in Anse-hung der Menge und Güte der Milch nach verschiedener Beschaffenheit der Weyde eräuget,ist kaum zu glauben, indessen aber auch daraus abzunehmen, daß in den vier Landen bey
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