von der Stadt Wien, und dem Kaiserlichen Hofe. I2ZZ
Bande, und andern dergleichen Präsenten aufwarten. Die Maskeradenkleider werden ge-meiniglich so kostbar gemacht, daß sie selten diejenige Person oder Profeßivn vorstellen, wel-che bey einer dergleichen Wirthschaft erscheinen sollte. Der Cavalier sorget auch für dieKleidung seiner Dame, und wenn man alles zusammenrechnet, steigen die Unkosten leichtauf dreytausend Gulden, daher nicht zu verwundern ist, wenn man sich um diese Ehre aufSeiten des männlichen Geschlechtes nicht allzu große Bemühung machet. Hiezu ist nochnicht einmal die Schlittenfahrt, wenn solche das Wetter zuläßt, gerechnet, als weiche keinCavalier, wenn er gleich seine eigene Equipage und Pferde hat, unter fünfhundert tsuis d'orbestreitet. Denn außer vielen neuen dabey zu machenden Geschenken, suchet jeder mit derkostbarsten Staatslivrey sich dabey hervorzuthun. Wer mit keinem eigenen Schlitten ver-sehen ist, muß die Miethung desselben mit dem Geläute nur auf einen Tag lang oft mit hun-dert und mehr Ducaten bezahlen, und ist man froh, wenn sie nur von der sogenannten Mehl-grube oder etlichen alten abgedankten saures 6'liste! um solchen Preis zu haben sind.Eine andere Solenm'tat bey Hofe ist zu sehen, wenn eine Kammcrfräulein der Kaiserinn aus-gestattet wird. Braut und Bräutigam allein sind am Hochzeittage in weißen Satin ge-kleidet. Alle in Wien anwesende Kammerherren kommen in schwarzer spanischer Tracht zuPferde nach des Bräutigams Hause, um ihn abzuholen. Die zween ältesten nehmen ihnalsdann in die Mitte, und nimmt die Cavalcade ihren Weg nach Hofe, allwo die Kaiserinnmit der Braut am Fenster steht, und nachmals dem Verlobten seine künftige Ehegattinngar nachdrücklich recommendiret. Des Abends speiset das neue Ehepaar mit der kaiserlichenHerrschaft, und bleibt über Nacht in der besonders dazu gewidmeten Brautkammer, auswelcher hernach die darinnen befindlichen silbernen Gueridons den Eheleuten gehören.
Dergleichen solenne Beylager werden selten mehr gehalten, und ist deritzige österreichi-sche Principalgesandte auf dem Reichstage, Graf von Stahremberg, der letzte, so der gedach-ten Ehre genossen hat. Dieses wird hingegen bey den gewöhnlichen Hochzeiten mit Hof-damen in Acht genommen, daß die neuen Eheleute die erste Nacht nicht in der Stadt Wien,es sey denn in geheim und gleichsam incoAnito, bleiben dürfen.
Am 4 November, als am Namenstage des Kaisers, desgleichen am Geburtstage derKaiserinn (welcher auf den 28 August fällt), werden Opern, deren jede dem Kaiser beysechszigtausend Gulden kostet, aufgeführet, welche am Prachte des Theaters, Schönheit derDecoration, Menge und kostbarer Kleidung der agirenden Personen, wie auch an zahlrei-chem und wohlbesetztemOrLbsüro nirgends ihres Gleichen finden; die kaiserliche Hofkapelleund Kammermusik, so aus mehr als hundert und zwanzig Personen besteht, kostet dem Kai-ser jährlich über zweymal hundert tausend Gulden, und bekömmt mancher Virtuose oder eineSängerinn vier bis sechstausend Gulden jährlicher Besoldung. Indessen sagen dennoch dieItaliener: zu Wien wäre nur das Hospital der Virtuosen, weil sie sich erst in alten Tagenhier zur Ruhe begeben, und durch eine Art von d!epottlmo ihre Anverwandten also anzubrin-gen wissen, daß es einem jungen Virtuosen schwer fällt, hier anzukommen. Wenigstensfindet man hier keinen Farinelli, Senesino oder Caristini; und obgleich die Gioseppina einetreffliche Stimme hat, so darf sie sich doch in Ansehung ihrer Manieren und Kunst im Sin-gen mit der Faustina, Cuzzoni, Turcotti und andern in keine Vergleichung setzen.
Zur Sommerszeit hält sich der kaiserliche Hof gemeiniglich in der Favorita, so in derVorstadt Mieden liegt, auf. Allhier hat derselbe zwar mehrere und bessere Gelegenheit, alsin der kaiserlichen Burg, die zur Winterwohnung dienet, allein weder das Gebäude noch derGarten sind prächtig genug für einen so großen Monarchen als der Kaiser ist. Bey heißen
7 S Tagen
Große Un-kosten dersel-ben.
Schlitten-
fahrt.
Hochzeit ei-ner kaiserli-chen Kam-merfraulein.
Opern.
Kammer-
musik-
Favorita.