Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
1316
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rzi6 L.xxxvi. Brief. Nachrichten

zum kostbaren Aufputze des Hofes gehörigen Sachen, und ein Vorrath von Trachten, Ge-wehr und Hausrath auswärtiger Völker. Mit diesen Dingen sind zwey und vierzig Kam-mern angefüllt, und findet man erstlich die alten Staatsrüstungen der Trabanten bev Ver-mählungsfesten der ehemaligen sächsischen Churfürsten. Diese sind alle so stark mit Silberbeschlagen, daß ein Dolch allein zehn Pfund wiegt, und in dieser ersten Kammer zehn biszwölf Zentner Silber nur an solcher Rüstung sich finden. In der andern Kammer zeigetman ein Riesenschwert, das aus Dännemark hieher geschenket worden, und dessen Klinge fünfdresdener Ellen lang ist. Dabey ist ein Pferd und das dazu gehörige Zeug des Tartar-Chams zu sehen. Weil ich noch öfters der allhier befindlichen Pferde erwähnen werde, soerinnere ich gleich anfänglich, daß solche alle von Holze, aber nach der Größe und Farbe, wiedie Originale gewesen, verfertiget sind. In eben diesem Zimmer hängt des Churfürsten Au-gustus Brautkleid von schwarzem Sammet mit Golde, seine Pulverflasche aus einer Cocus-nuß mit etlichen lustigen eingeschnittenen Vorstellungen, alles von dieses Herrn eigener Ar-beit ; ein anderes Pulverhorn aus dem Augapfel eines Wallfisches; des Churfürsten Drechs-ler- und Gartengeräthc; die Partisanen, deren sich die itzige Cavaliergarde bey Solennitä-Pftrdezeug. ken bedienet. In der Mitte des Zimmers ist zu sehen das Pferd und Zeug, welches der itzi-ge König von Dännemark bey einem Ritterspiele in Dresden gebraucht hat. Das Zeug istvon Gold und Silber, mit Edelgesteinen, die in Sachsenlande gefunden werden, reich besetzet.Dabey ist das türkische Pferd, so der König Stanislaus geritten, nebst dem dazu gehörigenZeuge gestellet. Die Sitze von den Stühlen in diesem Zimmer sind von Serpentinstein.Außer etlichen von Erz, Drusen undStuffen zusammengesetzten Bergwerken sieht man auchdie Stadt Dresden von einem Herrn von Pflug auf schwarzes Holz gemalet. Das türki-sche Pferd und Zeug, welches in der Ordnung folget, ist ein Geschenk des Kaisers Ferdinanddes ersten. Die ganze Rüstung ist von Silber mit Türkissen, der Säbel und Pallasch aber(welche beyde Stücke bey jeder vollkommenen türkischen Montirung sind) mit Perlen bese-tzet. Das Pferdezeug, so der itzige königliche und Churprinz im Jahre 1719 nach dem Ein-züge seiner Gemahlinn, als er das Element des Wassers vorstellete, gebraucht, ist von durch-brochener Silberarbeit auf untergelegte Perlenmutter, verguldet und mit Rubinen besetzt.Die übrigen Zierrathen waren von blauem Tastet. Viele türkische Pferde sind mit kostbaremZeuge versehen. Unter dem alten Gewehre finden sich die großen Pistolen von des Churfür-sten Mauritius Leibwache, nebst seinen eigenen, auf deren einem viele Historien des alten Te-stamentes und auf dem andern etliche Geschichte des neuen Bundes gar künstlich und kleinmit Elfenbein eingelegt sind. An der hier befindlichen ersten Büchse des Mönchs Schwarz,steht man an stakt des Schlosses einen gegen das Zündloch übergelegten Hahn mit seinemFlintensteine, unter welchem eine Feile so lange hin und her gezogen wurde, bis sich ein Funkefing. Der Hahn kann stärker und gelinder auf die Feile geschraubet werden. Von aus-wärtigen Sachen kommen zum Vorscheine, ein indianisches Waldhorn aus einem Elephanten-zahne, indianische Schuhe, kleine Modelle von Schlitten; alte indianische Kleider, Schildeund dergleichen, alles von Federn auf Leder; japanische Küraffe von Fischbeine, zum Schutzewider die Pfeile; viel Paradiesvögel; japanische Messer und Degen, davon etliche vergiftetsind, wie die Probe an einem Kalbe, welches drey Stunden nach empfangener Wunde ge-storben, ausgewiesen hat; ein dickes indianisches Scharfrichterschwert aus Holze, so mehr die-net das Genick einzuschlagen, als den Hals abzuhauen; lappländisches Gewehr und Zauber-trummeln; ein indianischer Vogel koca genannt, von dessen hintermTheile des Kopfes zwoFedern herunter hangen, woraus kostbare xlumsZes verfertiget, werden; indianische Schilde