I4Z2 xcv. Brief. Von dem itzigen Zustatlde
Ablegungder erstenVisiten.
GroßerRang derGesandten.
kaiserlichen Schatulle. Vor ihm wurde derPlah von dem Kardinal von Sachsen-Zekz be-kleidet, welcher in der evangelischen Religion gebohren und erzogen war, nachher aber mitsolchem Eifer an der Ausbreitung der katholischen Religion gearbeitet, daß man über zwan-zig tausend Menschen rechnet, welche er sowohl in hiesiger Gegend als in Ungarn dazu gezo-gen hat. Seine Bediente waren gleichfalls fast lauter Leute, die seinem Exempel gefolgetwaren.
Die gar leichten Bekehrungen haben selten einen tüchtigen Grund, und erinnere ichmich Hiebey desjenigen, was zwischen itztgedachtem Kardinale und dem protestantischen Ober-sten - - - vorgefallen. Denn als der Kardinal einem jeden, der sich zur römischkatholi-schen Kirche wandte, einen Thaler austheilen ließ, und dadurch ein großer Theil von demRegiment des Obersten gewonnen wurden, versuchte der Kardinal einömals über der Tafelsein Heil an dem Obersten selbst, dem er das Exempel der meisten seiner Soldaten zu Gemü-the führte. Der Oberste aber antwortete: diese Exempel machten ihn wenig irre, und wennes darauf ankäme, so getraue er sich, alle diese Neubekehrte mit sechs Tonnen Bier wiederprotestantisch zu machen.
Zwischen dem kaiserlichen Lon-LomnMrno und denen churfürstlichen Gesandten istallbereit gegen Ausgang des vorigen Jahrhunderts verglichen, und in diesem aufs neue fest-gestellt worden, daß sie beyderseits einander den Titel Lxcellence, und diese dem Lon-Lom-uüllärio die erste Visite geben. Wenn ein neuer churfürstlicher Gesandter anlanget, und einTag verabredet worden, an welchem er bey dem Oon-Lommillario den ersten Besuch abstat-tet, und von diesem die Gegenvistte, von denen übrigen churfürstlichen Gesandten aber, de-nen er seine Ankunft kund gethan hat, die erste Visite annimmt, so verrichtet der Neuange-kommene Gesandte seinen Besuch bey dem Lon-Lommilli-rio des Morgens etwan um achtUhr, eine Stunde hernach findet sich dieser mit seiner Gegenvistte ein, und nach ihm folgenabgeredetermaßen die übrigen churfürstlichen Gesandten mit ihrer ersten Visite, und zwar je-derzeit in Wagen, die mit sechs Pferden bespannet sind.
In dem Hause des Gesandten, bey welchem die Visiten abgeleget werden, sind die Le-gations-und Privatsecretärs, Kanzellisten, Copiisten und alles was man nur zusammen brin-gen kann, zu der solennen Reception fertig, und der Gesandte empfängt den ankommendenam Wagen. Dergleichen solenne Visiten geschehen öfters erst lange Zeit nach der Ankunftdes neuen Gesandten, und wenn dieser sich erst recht eingerichtet hat. Die fürstlichen undchurfürstlichen Gesandten notificiren einander ihre Ankunft durch den Legationssecretär, dieVisiten aber unterbleiben, weil die churfürstlichen ohne Unterschied und auch wenn der fürst-liche erst neu ankömmt, die erste Visite verlangen, und den Titel von LxceUeuce in reci-proco nicht geben wollen.
Die Gesandten der alten fürstlichen Häuser wollen sich in diesem Stücke auch nichtsvergeben, und statten sie unter sich, zum theil, die ersten Visiten ebenmäßig gegen einandermit sechs Pferden, wie die churfürstlichen, ab. Uebrigens ist in Ansehung der Anzahl vonPferden vor dem Wagen noch dieser Unterschied bey Deputationen, da z. E. das Orpu;Lv-mAelicum den ersten Antrag ihrer 6ravaminum bey dem kaiserlichen Principalcommis-sarius durch zween churfürstliche, zween fürstliche und zween städtische Gesandte gethan, daßdie chur-und fürstlichen mit sechs, die städtischen aber nur mit zweyen Pferden gefahren.
Unter dem Titel und jurs kepi-LleMarioms erstrecket sich der Rang der Herren Ge-sandten in Ragenspurg sehr weit, und ist bekannt, daß als des Herzogs Friedrich Heinrichszu Sachsen-Zeiz hinterlassene Wittwe, eine gebohrne Prinzeßinn vonHolstein-Wiesenburg,
ihren
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