,464 xcvn. Brief. Nachrichten
die Garden wurden türkisch gekleidet, und ein nahe bey Manheim gelegenes Schloß, demman den Namen von Negropont gegeben hatte, wurde belagert. Die damals allenthalbenregierende Lust machte, daß man dem Commendanten zu gute hielt, daß er bey Annäherungder Hof-Equipage ««vermuthet einen Ausfall that, des Churfürsten silbernes Service undVorrath von Wein und andern Victualien wegnahm. Das Service lieferte er wiederumaus, die andern ihm nöthigen Dinge aber behielt er, obgleich der Churfürst anfänglich sau-er dazu aussah. Ein Jahr hernach war dieser Herr todt und zwar nicht ohne Verdachtvon beygebrachtem Gifte. In seiner Lunge fanden sich zwey Löcher von solcher Größe, daßein Hühnerey dadurch fallen konnte, welches insonderheit bey einem jungen Herrn von vierund dreyßig Jahren nicht anders als außerordentlich seyn konnte.
Bergstraße. Zwo Stunden vor Heidelberg geht die Bergstraße an, bey deren Durchreise jenerItaliener mit Verwunderung ausrief: o Oermania, Oerinania! guain volles esse Ita-lic. Sie reichet bis Darmstadt, der beste Strich aber ist von Heidelberg bis Bensheim,in einer Länge von acht Stunden, die vier Stunden in der Breite hat. Die zur rechtenHand beständig anhaltende Hügel und Berge sind oben mit Waldung und mehr gegen dieAlleen. Ebene mit Weinreben bewachsen. Die Landstraße ist mit maischen Nußbäumen besetzt,und auf beyden Seiten zeigen sich die fruchtbarsten Felder und Wiesen. Etliche Scriben-ken nennen die Bergstraße die Pfaffengaffe, und hat die päbstliche Clerisey jederzeit denVerstand gehabt, sich nicht das schlechteste auszusuchen; indessen ist das Eigenthum der Geist-lichen in dieser Gegend an verschiedenen Orten durch daö pfälzische Gebieth unterbrochen.Das Herzogthum Mayland hat einen fetten Grund und Boden, allein wegen der beständi-gen Ebene des Landes und der tiefen Fuhrwege findet das Auge diejenigen angenehmen Ver-änderungen daselbst nicht, welche die Bergstraße darstellet.
Schaden Durch den harten Winter vorn Jahre 1709 wurde diese Gegend eines guten Theils
vom harten ihrer Schönheit beraubt, indem die meisten Nußbäume erfroren; man hat aber seit solcherWinter 1709. Zeit Schaden fleißig zu ersetzen gesuchet, und wäre es noch besser gewesen, wenn manUebereiltes mit gänzlicher Umhauung und Ausrottung dieser Bäume nicht st geeilet, sondern ihnen et-Umhauender Jahre Frist gegeben hätte, sich wieder zu erholen. Sowohl die Nuß- als Oelbäume
Nußbaume. die Eigenschaft an sich, daß sie nach dem Froste neue und starke Stämme treiben,wenn man die trockenen Bäume nahe bey der Erde absäget, und schreibt daher Virgilius:tzuin 6c cauüicibus leäkiz, nürabile cliäkuDruüitur o llcoo raclix oleaZona liAiro.
Die Menge der Nußbäume, die man in der Bergstraße und auf dem Odemwald antrifft,bringen sowohl wegen der Früchte, als wegen ihres Holzes, dem Lande großen Vortheil.Vor zwey Jahren wurden auf einmal dreyßig tausend unauögearbeiteteBüchsenschäffte ausNußbaumholz nach Sachsen geliefert und das hundert mit fünf und zwanzig bis dreößig- Gulden bezahlt. Diejenigen, so Vollmachten zu dergleichen Handel haben, zahlen für ei-nen Baum achtzehn bis ein und zwanzig Gulden, und müssen es sich gefallen lassen, wennnach der Fällung befunden wird, daß der Baum innen hohl ist. Man nimmt aber hiczunur Baume, die wenige Früchte tragen, weil manche durch ihre Nüsse so viel einbringen, daßman einen solchen Baum nicht für hundert Gulden würde missen wollen. Daß dieser Anschlagnicht zu hoch sey, kann man daraus ermessen, daß es Bäume giebt, welche bey guten Jah-ren vier bis fünf Malter Nüsse tragen. Ehemals galt der Malter vier Gulden, anitzt abermuß man mit zween bis drey Gulden sich begnügen lassen, nachdem die Handlung sehr ge-fallen, weil man die Salzeinfuhren (die vordem viele Victualien mit sich zurück nahmen)
verbo-