Charakterdes Herzogs.
Don derMarquisede Craon.
Prinzeßinnvon Lixin.
1480 xeix. Brief. Von Luneville,Nancy
allenthalben im lande verbothen ist, so spielet man es doch bey Hofe mit ihtgedachter Herzo-ginn , und kann dabey ein jeder sein Glück versuchen, ohne daß er vorher seine Ahnen oderadelichen Bedienungen zu beweisen hat. Der itzige Herzog redet gut deutsch, auch diese'Sprache lieber, als die französische. Er ist von mittelmäßiger Statur und trägt aniHt seineeigene gekrausete Haare, die von schwarzbrauner Farbe sind. Sein Herr Bruder ist etwaslänger und blonder. Es ist zu vermuthen, daß der Herzog noch einer von den größten Re-genten in Europa seyn werde, was sowohl die Macht als Regierung anlanget (*). DieKlugheit und vorsichtige Aufführung, welche er bey seinen jungen Jahren in allen Gelegen-heiten an den Tag leget, ist nicht genug zu rühmen. Gegen Fremde ist er überaus gnädig,und auf den Jagden so leutselig ja fast familiär, daß etliche unbedachtsame Reisende, weil siewegen ihrer im kaiserlichen Ministerio sich befindenden hohen Verwandten etwas mehrersals andere zu seyn geglaubet, in den Irrthum gerathen, als könnten sie auch außer der Jagdund bey Hofe mit eben solcher Freyheit gegen den Herzog fortfahren; allein ein einzigesWort, eine Mine, ja ein bloßes Stillschweigen des Herzogs gab ihnen bald zu verstehen, daßsie sich in ihrer Rechnung betrogen. Er bemühet sich seine Gedanken zu verbergen. ZuBedienungen suchet er selbst die Leute aus, und will nicht, daß man ihm mit vielem Anhaltenetwas gleichsam abnöthige. Seine Kleidung ist ohne Pracht und gänzlich von der franzö-sischen Mode entfernet; da er aber vor einem Jahre wegen der Lehensempfängniß von Barnach Paris gieng, ließ er sich daselbst sehr kostbare Kleider nach der neuesten Art machen,und brachte ihm davon sein Lnvnye einen ganzen Kuffer voll eine Tagereise vor Paris ent-gegen, welche er nach seiner Abreise aus Paris niemals mehr getragen hak. So lange ersich am französischen Hofe aufgehalten, richtete er sich mit solcher Geschicklichkeit nach der da-sigen Lebensart, daß man hatte glauben sollen, er sey von Jugend auf unter der französischenNation und an ihrem Hofe erzogen. Wie er sich auch anderer Nationen Hochachtung durchkluge Gefälligkeiten zu erwerben wisse, hat man aus mehrern Exempeln genugsam erfahren.Die bey großen und zugleich jungen Herren gar rare Tugend der Keuschheit ist bey ihm insolchem Grade, daß man ihn noch niemals wegen einer Maitresse in Verdacht gezogen hat.Er höret seine Minister, läßt sich aber von keinem regieren.
Unter der vorigen Regierung war der krince äs Oaon aus dem Hause Beauvau, ingroßem Ansehen, und der Herzog unterließ nichts, ihn reich zu machen, zu welchem Ende erihm nicht nur die Herrschaft Craon, sondern auch die Bedienung von 6rsuä-trcuvsr gab,ihn öfters im Billard und andern Spielen dreyßig und mehr tausend Livres auf einmal ge-winnen, auch sonst nichts an andern Geschenken ermangeln ließ. Seine Gemahlinn kannsich wirklich anihk noch der Schönheit rühmen, ob sie gleich drey und zwanzig Kinder geboh-ren hat. Die älteste von ihren Töchtern ist Ooaäjutrics zu Remiremont. Der jüngstenschien ein besonderes Glück bescheret zu seyn, als der vorige Herzog eine Heirath zwischen ihrund dem Prinzen von Lixin aus dem Hause Lothringen - Harcourt stiftete. Der Vater die-ses Herrn nennte sich Lomto cio bckarläu, und seine Mutter war Katharina Theresia, eineGräfinn von Matignon. Vor seiner Heirath commandirte er ein französisches Regiment,(welches er auch nachdem behalten) und ward wegen des Maltheserkreuzes so er trug, <-Ae-vaiiee äs Uorrains genennt. Durch itztgedachte Vermählung bekam die Tochter des krlnsö
(*) Daß dieses wirklich erfüllet sey, und daßsich der Bruder den Ruhm eines der größestenHelden unsers Jahrhunderts erworben habe,das find Sachen, die alle unsre Leser wissen.
a) Der Prinz von Lixin blieb im Jahre 1724am Rheiustrome in einem Duell mit dem Ducde Richelieu, obgleich in den Zeitungen gesetzt
wurde,