und dem lothringischen Hofe. 1479
seiner Asche, wieder hergestellet. Das neue Schloß war anfänglich mit eisernen Platten ge-deckt, welchen man einen solchen Firniß gegeben zu haben glaubte, daß sie nicht das geringstevom Rost zu befürchten hatten; allein die Erfahrung hat das Gegentheil bewiesen, und weilüber dieses gedachte Platten nicht hinlänglich zusammengefügt gewesen, drang der Regen hin-durch und machte das nächste Holzwerk solchergestalt faul, daß der Herzog im verwichenenJahre nach Comerci gehen mußte, damit man indessen ein neues Dach legen konnte, welchesmehr als viermal hundert tausend Livres Unkosten erfodert hat.
Der Garten hinter dem Schlosse erstrecket sich längst dem Flusse Vezouse und ist artigeingerichtet. Die ganze umliegende Gegend ist etwas niedrig und morastig. Der Hof ist Hofstaat,sehr prächtig, indessen aber hat sich jedoch seit dem Jahre 1716, da ich das erstemal in Lunc-ville war, in diesem Stücke vieles verändert. Unter dem vorigen Herzoge war die Anzahlder Bedienten so groß, daß man über fünfzig Kammerherren zählte, und würde es nichtmöglich gewesen seyn solchen Staat auszuführen, wenn die Besoldungen dergestalt wären be-schaffen gewesen, wie sie an andern Höfen eingeführet sind. Allein die Menge derer nachEhrentiteln strebenden Leute, so nicht nur von der lothringischen, sondern auch von der fran-zösischen Nation, machte, daß man mit geringerm zukam, und genossen von denen iHterwähn-len fünfzig Kammerherren kaum zwanzig einige Besoldung, obgleich diese auch nur vonsechshundert lothringischen Livres war, welche damals neunzig bis sechs und neunzig Reichs-thaler ausmachten. Der erste Präsident des lothringischen Parlaments hatte zwey tausendLivres und ein Skaatsminister eben so viel. Diese geringe Einnahme aber verursachte auchöfters, daß die Bedienten sich nicht Standesmaßig aufführten, und man Kammerherrenfand, die keinen Diener erhalten konnten. Der ihige Herzog hat nur zwölf Kammerherren,deren jeder des Jahrs achtzehn hundert Livres zur Besoldung bekömmt.
Ehemals waren täglich vierzehn Tafeln bey Hofe, nämlich vier für die herzogliche Fa- Tafeln.beymilie, eine für den 6r n-l-Xl-iitie, eine für den Lom-Xlmre ckbotel, eine für die Kammer- Host-herren, eine für die Officiere, so die Garde haben, eine für die ämnonwrs und Beichkväter rc.
Jtziger Zeit aber sind niemals über vier Tafeln, worunter die erste für den Herzog und dieCaoaliers, die er einladen laßt, ist; an der andern speiset die Herzoginn Frau Mutter mitden Prmzeßinnen und Damen; die dritte ist die Marschalltafel, an welche auch die Frem-den, so nicht mit dem Her;oge speisen, nebst ihren Hofmeistern kommen; an der vierten spei-sen die Kammerherren und Officierö. Des Abends geht deö Herzogs Tafel ab, weil er mitseiner Frau-Mutter speiset, wobey er eine gewisse Zahl von Cavalieren, und die Herzoginneben so viele Damen einladet. Nach der Tafel wird die Zeit gemeiniglich mit kleinen Spie-len zugebracht, und wenn dabey die Gesellschaft in zwo Parteyen zu theilen ist, so führt derHerzog die eine, und ückonleiZnem (nämlich des Herzogs Bruder, der Prinz Karl) die an-dere. Unter denen zwo Prmzeßinnen Schwestern deö Herzogs ist die jüngere, Anna, so im Prin-eßM.Jahre 1714 gebohren worden, von ungemeiner Schönheit. Die Frau Mutter ist gebohren 'im Jahre 1676, und aus dem Hause Orleans. Ihre Vermählung wurde nach dem Frie- Herzoglichedensschlusse zu Ryßwrck von dem schwedischen Gesandten Herrn von Lilienroth, dem Hause FrauMut-Lochringen, als ein Mittel, in besserer Ruhe mit Frankreich zu leben, angerathen und baldzur Richtigkeit gebracht. Sie liebet das Spiel, Komödien, Spazierenfähren und derglei-chen Lustbarkeiten. Gegen die Deutschen hat sie sich niemals sonderlich geneigt bezeiget, dahingegen ihr Gemahl ihnen jederzeit viele Gnadenzeichen erwies. Unter denen Kartenspie-len ist baichguenest dasjenige, welches kvlsclame Kungle jederzeit den andern vorgezogen hat;und obgleich solches sowohl als andere Glücksspiele, womit sich öfters junge Leute ruiniren,
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