1544 n- Bedenken über die Reduction
davon. So schön und stark nun die itzige Armee in Schweden ist, so hat sich doch gefun-den, daß, wenn nur die nothwendigen Garnisonen des Reichs davon genommen werden, dieSchweden wenig Volk ins Feld stellen können, wie solches aus der Repartition und Aus-theilung der Armee zu ersehen, welche noch neulich im Kriegsxathe zu Stockholm gemachtworden mit beygefügter Pachricht, wie viel zu Besetzung einer jeden Festung und eines,jeden Passes erfoderk werde. Es wird daher vermuthlich ein Irrthum und eine Zeitung,der niemand Glauben beymessen kann, seyn, daß die Schweden an jemand Volk zu über-lassen gedenken. Sie haben dessen nicht zu viel, weil auch Bauern, die andern zu ernäh-ren, übrig bleiben müssen. Zu auswärtigen Werbungen ist kein Geld vorhanden. ImBremischen fangen sie zwar damit an, es will aber nicht recht fort, da nicht einmal zureichenwill, was zum ordinairen Staate gehöret, und sowohl von den bremischen als den pommerischenEinkünften (welche inden allerschlimmsten Zeiten, und wenn sie auf das schärfste von Feindengeschahet worden, jene zwar zweyhundert und fünfzig tausend, und diese hundertund achtzig tau-send Reichsthaler getragen) noch täglich ein ansehnlich Quantum abgeht und sich vermindert.
Diese Ursachen als Uneinigkeit, Unvermögenheit und andere inwendige Wunden undäomsttics mals des Königreichs Schweden, vornehmlich auch der schlechte Zustand derFlotte, machen glauben, daß diese Krone sich schwerlich in einen Krieg engagiren werde,es möchte denn sey, daß man ihr mit Gelde zu Werbung und Ausrüstung der Flotten zuHülfe käme, dessen aber müßte eine sehr große Quantität seyn. Diesen Nutzen vccmeynensie wenigstens von ihrer Armee in Schweden zu haben, daß sie damit Dännemark obligiren,auch porpetuum militem zu halten, welches dieses Königreich nicht wenig enerviret, Schwe-den hingegen nicht, als worinnen kein Soldat geworben, sondern gebühren wird und keinGeld kostet, welches an andern Orten nicht angehen oder sich pracciciren lassen will.
Von andern den itzigen Zustand des Reichs Schweden angehenden Sachen ist bekannt,daß daselbst noch kein rechtes Fundament der Regierung, sondern noch vieles cn clescu-rire»auch wenig Besserung zu hoffen sey, so lange die Stände untereinander sich so übel ver-stehen. Es meynen etliche, es wären keine glücklichere Zeiten zu hoffen, so lange der itzigeKönig lebt, ob dieser gleich sonst viele Qualitäten, davon er im Kriege Proben gegeben hat,besitzt. Die es verstehen geben vor, er habe des Herrn Vaters Manier darinnen, daß erdie Infanterie nicht zu schonen wisse, und solche wie die Reuter travaillire. Er ist nichtwohl französisch, sondern vielmehr deutsch gesinnet, wozu ihn auch der Herr Graf B. O. /)animiret, welcher in ausländischen Sachen wohl gebraucht wird, aber den Titel von Reichs-kanzler nicht bekommen kann, gleichwie auch von der Bedienung eines Feldherrn nicht mehrzu hören, und sowohl der Stand als der Rang geändert ist, welches etliche zum höchstenmorrificiret, wie ein solches noch mit letzter Post, nebst beygelegter heutiger Rangordnungam Hofe, berichtet wird. Er m) ist sehr arbeitsam und fragt nicht viel nach Ruhe, Weiberund Spiel. ' Im Essm und Kleidern ist er gar sparsam, und hasset er große Depensen,wünschet auch oft, daß er noch vollkommener als er sey, können erzogen werden. Die altenReichsräthe und Familien werden wenig gebraucht, und diejenigen, deren er sich in den Con-silien bedienet, sind noch junge Leute, von denen bekannt, daß sie die nöthige Kenntniß indenAffairen der Welt nicht gelernet haben. Er ist wenig in Stockholm, sondern viel auf Rei-sen und dem Lande, welches die Reichsnothwendigkeiten gar sehr hindert.
Käme diesem Herrn etwas zu, so würde es große Veränderungen geben, jedoch mehrzum bessern als zum ärgern, nun nämlich wieder Erben des Reichs gebohren sind.
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/) Benedict Orcnstiern. -») Nämlich dek König.