bis nach Capo Guarda §uy. XM Buch IV §ap. 179
Wenn sich zwischen zweyen Dörfern, von einerley Nation, ein Zwist ereignet, so ,71;wird solcher dem Nationalgerichte vorgebracht, das seine Entscheidung so standhaft und be- Lolbe.herzt, als ein römischer Senat, ausführet ch. Die Europäer mögen sich ihrer Gelehrsamkeit,' " '
Staatskunst und ihres gesitteten Wesens rühmen: aber wo können sie eine so reife undso glückliche Regierungsart als die hottentottrsthe ausweisen, die ihren Grund in der voll-kommenen Freyheit des Volkes har?
Alles Vermögen des Vaters fällt auf den ältesten Sohn, oder außerdem, auf den Erbrecht,nächsten männlichen Erben. Es wird nicht zertheilt und fällt nie auf Weibsbilder. Selbstein Vermächtniß an eine Horrencottinn ist, ohne Einwilligung des nächsten Erben, un-gültig. Will ein Vater seine jüngecn Söhne versorgen, so muß er ihnen ihr Theil vomViehe, weil er noch gesund ist, geben; sonst kömmt ihr Vermögen und ihre Freyheit auf desältesten Güte an. Giebt aber der ältere Bruder dein jüngern einmal seine Freyheit, st>kann er solches nachgehends nicht wiederrufen. Der älteste Sohn hat ein gleiches Recht überdie Schwestern: sie können ohne seine Einwilligung nicht von ihm ziehen, noch heirathen,und er giebt ihnen nach seinem Gefallen Vermögen mit oder nicht. Nur muß er die Frauoder die Weiber seines verstorbenen Vaters versorgen, bis sie wieder heirathen oder sterben.
Heirathet er aber selbst bey seines Vaters Lebzeiten, so hat er keinen Vortheil vor seinenBrüdern, in Erwartung der Erbschaft ^)»
Die Hottentotten sind gegen Beschimpfungen nicht unempfindlich, besonders welche Ihre Kriegedie Nation angehen. Bey dem geringsten Eingriffe in ihre Rechte, wird eine hottentottischeNation bald aufgebracht. Alle eilen zu den Waffen, und ziehen gegen den gemeinschaft-lichen Feind. Ein hottentotischer Krieg aber ist keine Last für das Volk. Sie wissen nichtsvon einer Kriegscasse, Magazinen, Kriegscontribution, die viele Feldzüge durch dauert.
Eine Schlacht machet ordentlich den Zwist aus: es wird aber auch von beyden Seiten hart-näckig gefochten. Von der Kriegszucht wissen sie nichts.
Sie wissen nichts von?Reihen, Gliedern, Fronte, Seiten, und Hintertreffen, sondern sind ohnefechten in vollkommenster Verwirrung; doch stehen sie nicht so dicht beysammen, daß nicht Kriegszucht.ein jeder Platz hätte, seine Assagaye zu schwingen, und von einer Seite auf die andere zuhüpfen, weil er zielet. Sie fangen den Angriff mit einem schrecklichen Geschreys an, undwenn einer seinen Pfeil oder Wurfspieß fortgeschossen hat, so zieht er sich ein wenig zurück,daß ein anderer an seine Stelle treten kann, bis er diesen wieder abzulösen fertig ist. DerSieg kömmt meist auf die Geschicklichkeit des Oberhaupts an, des Feindes Schwache zuentdecken, damit er daselbst mit seiner auserlesensten Mannschaft, oder mit den Bakkeleyernoder Kriegsochsen einbrechen kann, die in diesem Falle ein schreckliches Blutbad anrichten,und ordentlich den Feind über den Haufen werfen.
Die Bewegungsursachen zum Kriege bey den Hottentotten sind gemeiniglich eine von Sie hab«,diesen dreyen: Wenn ihnen ihr Vieh ist gestohlen worden; wenn man ihnen ihre Weiber ^">g Ursa-entführt hat; oder wenn ihnen ihre Weiden sind weggenommen worden. Dieses letzte ist z«mdie gemeinste Ursache zu Händeln. Denn obgleich die Länder der Hottentotten keine ge-
Z 2 setzte
Lolbe im I Bande auf der r-s und folgen- -O Ebenderselbe auf der ,51, zarten und folgen-