Band 
Fünfter Band.
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XIV Buch I Capitel. -6Z

Mäßigkeit stünden, und wovon sie lebten. Als des Generalguvecnörs von Batavia unge-fähr Erwähnung geschah: so forschten sie fleißig nach, was es damit für Bewandniß hatte.Die Gesandten meldeten ihnen, der Generalguvernör könnte in Ansehung seiner Herrschaftmit den Unterkönigen von Kanton verglichen werden; seine Gerichtsbarkeit erstreckte sich überalle holländische Herrschaften in Indien; und Batavia, wo er seinen Sitz hatte, wäre dieHauptstadt von allen.

Die Mandarinen beschenkten darauf jeden von den Gesandten mit fünfzig Tael Silber,und nahmen von ihnen Abschied; sie kamen aber bald einer nach dem andern zurück, umnoch mehr Fragen zu thun. Der erste kam auf Befehl Seiner kaiserlichen Majestät undseines geheimen Raths, die Beglaubigungsschreiben abzuholen, welche in eine große silberneSchüssel , die mit drey Stücken Scharlach bedeckt war, gelegt, und also in großer Prachtzu ihm gebracht wurden. Ein anderer kam, ihr Gewehr zu besehen, und zu erfahren, wieeS gemacht würde. Der dritte fragte, was für Waffen sich die Holländer im Kriege bedien-ten, mit was für Völkern sie Krieg geführek, und ob sie mit den Portugiesen im Friedelebten. Sie kamen in eben der Absicht wohl sechs - bis siebenmal zurück. Zuletzt bathen sieum Verzeihung, daß sie den Gesandten so viel Ungelegenheit gemacht, und sagten, esgeschähe alles auf des Kaisers Befehl, welcher sich nach dergleichen Dingen stets sorgfäl-tig erkundigte.

Auf den von den Abgeordneten an den Reichskanzler r) abgestecketen Bericht, schicktesolcher den folgenden Tag zweene Edelleute, mit dem Befehle, es sollten die Gesandten mitden Geschenken vor dem kaiserlichen Rathe erscheinen. Weil es ein sehr regnicyter Tag war,so würden sie solches gern auf eine andere Zeit verschoben haben, damit die Geschenke vondem Regen nicht verderbt würden: allein es wurden keine Entschuldigungen angenommen.Endlich giengen sie ohne Geschenke nach Hofe; sie wurden aber nicht eher vorgelassen, alsbis sie solche gebracht hatten. Denn der Kaiser war entschlossen, sie noch an diesem Tagezu sehen. Sobald die Geschenke kamen, wurden sie vorgelassen, und ihnen befohlen, sichniederzusetzen, ohne daß sie dieser großen Versammlung einige Ehrerbiethung erweisen durften.

Der vornehmste Befehlshaber saß an dem obersten Ende des Saals, auf einer breitenniedrigen Bank, mit kreuzweis untereinander geschlagenen Beinen, wie die Schneider. Zuseiner Rechten saßen zweene tartarische Herren, und zu seiner Linken Adam Gcaliger ü),ein Jesuit, aus Cöln in Deutschland gebürtig, welcher fast dreyßig Jahre an dem Hofe zuPeking in großen Ehren gelebt hatte. Er war ein sehr ansehnlicher alter Mann, mit einemlangen Barte, und auf die tartarische Art geschoren und bekleidet. Alle die großen Leute,welche bey dieser Versammlung waren, faßen unter einander, ohne Absicht auf ihren Rang,Stand oder Ernsthaftigkeit. Der Kanzler selbst saß mit bloßen Beinen, und hatte nureinen kleinen schlechten Mantel um den Leib.

Sobald dieser Herr eine kurze Anrede an die Gesandten gehalten, und ihnen befohlen,sich niederzulassen, so kam der Jesuit, sie zu bewillkommen, welches er mit vieler Höflichkeitin seiner eigenen Sprache that. Er fragte nach einigen von seiner Religion in Am-sterdam.

L l z Indem

Er war vielleicht Seeretär für die tartarische r) So nennet ihn Laepenti'er. Beym VgilbpSprache. heißt er der vornehmste Statthalter.

OderSchaal, wie bey einigen Schriftstellern.

1656

Neuhof.

und auf kai-serlichen Be-fehl befragt;

werden nachHofe geho-let.

Ein Jesuitist ein Man-darin.