Band 
Fünfter Band.
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Reisen nach dem Reiche China.

r 6 4 ? Vermögen stund: so brachten sie zwey kostbare Kleider zum Vorscheine, welche ihnen derErzählung Kaiser geschenket hatte, von ihnen aber niemals getragen worden waren, weil sie sich'zu ihrerverIesuireu-Armuth, und zu ihrer geistlichen Kleidung, nicht schickten. Diese Kleider nahm er für hun-

'-*-' dert und fünfzig Tael von der zugestandenen Summe an. Als er aber entdeckte, oder doch

vermuthete, daß dieses ein Geschenk von deiner Majestät wäre: so gab er ihnen zu verste-hen, daß er sie nicht annehmen würde, und verwies es ihnen, daß sie eine so unanständigeThat begehen und diese Kleider weggeben wollten. Allein, dieses ist kein Wunder, sprichtder Jesuite. Denn die Chinesen sind in allen Dingen, die ihren Kaiser angehen, überausfurchtsam, oder vielmehr abergläubisch; ob schon in ihrem Herzen, sonderlich bey den Ge-lehrten , der Stolz der größten Monarchen wohnet. Daher rühren eben die häufigen Zwi-stigkeiten und Veränderungen unter ihnen.

Sie nehmen Da ihnen nun also ihre Hoffnung fehl geschlagen war: so nahmen sie ihre Zuflucht zu demihre Zuflucht Opfer der Messe, und zu besondern heiligen Uebungen, die sie deswegen anstellten. Hier-zur Verlernn- nächst wandten sie sich an alle die Fürsten und Edeln, die entweder sie besuchten, oder vonihnen besuchet wurden. Denn viele kamen täglich zu ihnen, um das heilige Bild anzube-then, und ihre neue Kirche in Augenschein zu nehmen. Diesen stellten sie nun die Hollän-der als Leute vor, die von einer niederträchtigen und meineidigen Gemüthsart wären; alsAbtrünnige in der Religion, und als Aufrührer wider ihren rechtmäßigen Oberherrn. Sieerzählten ihnen von ihrer Unternehmung auf fflakau, die vor einigen Jahren geschehenwar; wie sie einen Einfall in die Provinz Fokyen gethan, und nachgehends den ChinesenTaywan, oder Formosa abgenommen, daselbst Festungen erbauet, und, in einer Zeit vonzwey bis drey Jahren, über dreytausend Einwohner, noch außer den Kaufleuten von Lo-kyen und Chekyang, ermordet hätten. Sie vergaßen auch dieses nicht, daß, unter derRegierung des vorigen Kaisers, dreyzehn Holländer an der Küste gefangen genommen, nachHofe gebracht, verurtheilet, und hingerichtet worden wären. Hierzu fügten sie noch dieses,daß sie in Java, unter dem Vorwande, daselbst zu handeln, bereits so festen Fuß gefastethätten, daß der König nicht mehr im Stande wäre, seinen Zoll einzutreiben; ferner, daßkeine Verträge irgend ein Volk wider diese allgemeinen Räuber in Sicherheit stellen könnten,als welche sich allein der Herrschaft über die See anmaßeten, und, wenn ihnen ein Schiffin die Hände fiele, keinen Unterschied unter Freunden und Feinden machten; daß daherSeine Majestät nicht allein unzähliges Unglück in dem Reiche verursachen, sondern auchalle übrigen Monarchen ärgern würden, wenn sie solchen Erzräubern eine freye Handlunggestatten wollten: denn die übrigen Monarchen suchten alles Gewerbe mit ihnen zu vermei-den, weil sie dieselben für die schädlichste Pest hielten, die sich jemals in ihre Herrschafteneinschleichen könnte.

Die Chinesen Wenn man diesem Jesuiten glauben will, so verwunderten sich alle die Großen, diewerden durch um den Kaiser waren, über die Unverschämtheit der Holländer, und erstaunten ganz überNach- die Nachläßigkeit und Sicherheit, oder vielmehr Bestechung dererjenigen, denen wichtigenvmmen"^ Bedienungen anvertrauet waren , und die doch einer solchen Art von Leuten freyen Zutrittin ihrem Gebiethe verstatteten. Einer aus der großen Tartarey wurde, bey Anhörung die-ser Erzählung von ihnen, dermaßen außer sich selbst gesehet, daß er über laut schrie: DerRaisir sollte billig unverzüglich Befehl geben, daß man sie, als öffentliche Die>be, und Aufrührer rvider das ganze menschliche Geschlecht, aufhängen sollte,damit sie inskünfrige von dergleichen Unternehmungen abgeschrecket würden.

Allein,