Band 
Fünfter Band.
Seite
381
JPEG-Download
 

X)V Buch V Capitel. Z8l

Allein, die Jesuiten antworteten: Ein solches Verfahren würde zu streng und un-- 1655gerecht seyn, weil sie doch die Rechte öffentlicher Gesandten genießen müßten. Er-LkUmgUnd da sie sich selbst der Treue des Raisers überlasten hätten, so müßten sie auch, ^Jesuneii.auf alle tVeise, wider Gewaltthätigkeit geschüyer werden. Es würde, zumal,da sie reiche Geschenke mit sich gebracht hätten, Seiner Majestät besser anste,hen, ihnen, als Fremden, Gnade zu erzeigen, und sie in Friede wiederum vonsich zu lassen ^). tTlur müßte man sie abschrecken, daß sie nicht wiederkämen,und ihnen daher nichts von ihrer Bitte zugestehen.

Einer von den Verschnittenen des Kaisers, der ein angesehener Rath desselben war , und wider dieund den Jesuiten zugehöret hatte, wie sie die Gemüthsart der Holländer abschilderten, sagte: Holländerob es gleich eine verachtungswürdige Art von Leuten wäre: so würde der Kaiser doch besser ""sgewiegethun, wenn er ihnen ihre Geschenke wiederum zurück gäbe, sie abfertigte, und ihnen ge-messenen Befehl ertheilte, daß sie niemals wiederum in den chinesischen Häfen einlaufensollten. Diese Nachricht breitete sich, so wohl inn- als außerhalb des Pallastes, gar bald soweit aus, daß sie endlich auch vor die Ohren dererjenigen gelangte, welche eigentlich mit derSache der Holländer zu thun hatten. Von ihnen hörten es hernach die Holländer selbst.

Diese schickten daher einen Abgeordneten zu den Mönchen, und ließen sie ersuchen, sie möch-ten sich enthalten, dieses Volk gegen sie aufzuwiegeln, und sie als Diebe und herumschwei-fende Taugenichte abzuschildern. Denn dieses sey eine Beleidigung, die sie nicht erdul-den könnten.

Den i?ten des Heumonats im Jahre 1656 kamen die Holländer, in Begleitung von HolländischeMandarinen, Dollmetschern, und einer großen Menge von den Leuten des Unterkönigs, Gesandt,welche ihnen, auf dem Wege, viel Ehre erzeigeten, nach Peking. Und (die Wahrheit zusagen, spricht der Verfasser,) hätten sie, auf ihren Reisen, eben so starke Merkmaale vonsich blicken lassen, daß sie gut katholisch, oder wenigstens gute Christen, wären, als sie ihreFreygebigkeit, und daß sie Europäer wären, gezeiget haben: so hätten sie jedermanns Zunei-gung, und den Beynamen der Edlen, vollkommen verdienet. Denn sie gaben allen klei-nen Königen und Statthaltern an der Küste kostbare Geschenke, und erzeigten sich auch ge-gen die geringsten aus dem Volke freygebig, die ihnen nur eine glüende Kohle brachten,um ihre Tobackspfeifen dabey anzuzünden. Durch diese Mittel gewonnen sie die Herzen derChinesen, welche solche Silberregen gar nicht gewohnt waren, und glaubten, sie könntensie niemals genug bewundern und erheben. Was aber das ärgerlichste dabey war, so ga-ben sie, als sie durch eine Stadt gierigen, den Bonzen vierzig Tael zu Erbauung einesTempels. Dieses hat der Verfasser, wie er spricht, von einem Priester, und von den da-sigen Neubekehrten, erfahren. Doch spricht er, er habe sich bemühet, diese That zu ent-schuldigen , und vorgegeben, das Geschenk wäre zu einer andern Absicht bestimmt gewesen.

Bloß die chinesischen Dollmetscher hätten die Sache dahin gewendet, um die Zuneigung desVolkes zu gewinnen. Er setzet hinzu, daß, ob er gleich hierinnen zu ihrem Besten geredethabe: so könne er sie doch deswegen nicht entschuldigen, daß sie Freytags und SonnabendsFleisch gegessen hätten: denn dieses gereichtete allen daselbst wohnenden Christen zu großemAergernisse.

Bbb z Ungefähr

Man bemerke, wie diese Heuchler sich für bloß um ihrer Verleumdung bey den MandarinenFreunde der Gütigkeit und Gerechtigkeit ausgeben, einen so viel größer« Schein zu geben.