5Z2
Reisen nach dem Reiche China.
1717 Der Platz, wo dieses vorgieng, war auf allen Seiten mit etlichen tausend Laternen be- G
Lange, hangen, die mit allerley Farben gemalt waren, und das Schauspiel sehr prächtig zierten.
'-^-' Weil dieses Feuerwerk spielte, ließ der Kaiser die Abgesandten verschiedenemal befragen, wie O»
es ihnen gefiele. Die Jesuiten meldeten ihnen, man hätte eben dergleichen vor den vorigen h
Kaisern, vor fast zweytausend Jahren, ohne die geringste Veränderung vorgestellt.
Gegenwart!- Die Chinesen nennen die jetzt in China herrschende rarkarische Familie Tay tsing Mn>
§e tartarische oder Tayoir, das ist: große Reinigkeit, weil die Tartarn, wie sie sagen, vom Himmel lG r
Familie. wie eine Fluth gesandt worden, das unschuldig vergossene Blut abzuwaschen, und die inner- Die L
liehen Unruhen zu dämpfen. Ghun chi der Stifter derselben, war ein Sohn von Tsim W>
re. Da dieser Monarch im Jahre 1644, mittten unter seinen Eroberungen starb, und den je slß
Prinzen, der nur sechs Jahre alt war, unter seines Bruders Vormundschaft ließ, so verwaltete laß st
der Vormund sein Amt mit solchem Beyfalle, daß man ihn A ma han oder A ma vang, H^
das ist: königlichen Vater nannte. Wie Ghun chi in seinem vier und zwanzigsten Jahre Um!
mit einer Krankheit befallen wurde, von der er empfand, daß sie tödtlich für ihn seyn würde, «ch
so ließ er seine Sohne hohlen, meldete ihnen, sein Ende nähere sich, und fragte, welcher un- »m
ter ihnen stark genug sey, die Last eines neueroberten Reiches zu tragen?
Kang his Der älteste entschuldigte sich mit seiner Jugend, und ersuchte seinen Vater wegen der dafür
Erhöhung. Nachfolge, eine Verordnung zu treffen, wie ers für gut befände. Rang hi aber, der jüngste, d
welcher sich in seinem neunten Jahre befand, fiel vor des Vaters Bette auf die Knie nieder, Asm
und sagte sehr beherzt: Vater, ich finde mich stark genug, die Last auf mich zu allevk
nehmen, wenn ihr nicht langer lebet; ich will das Beyspiel meiner Vorfahren alimund Ahnen nicht aus den Augen verlieren, sondern mich mir größter S-rgfale M,
bestreben, das Volk zu seiner Zufriedenheit zu regieren. Dieft Worte hatten bey K«
dem Ghun chi soviel Wirkung, daß er ihn so gleich für seinen Nachfolger erklärte, und seine!
ihm vier Personen zugab, nach deren Rathe er regieren sollte. Im Jahre 1661 bestieg «M
Rang hi den Thron, und fing im Jahre 1666 an, selbst zu regieren. Ku
Seine gro- Er gab zeitige Proben einer großen Stärke des Körpers und des Geistes. Er ent- ^
t ^lt sich vom Weine, Weibsbildern und Müßiggänge; und ob er wohl nach Landesgewohn- ^n,
' i heit viele Weiber nahm, so bemerkte man doch sehr selten, daß er bey Tage zu ihnen gieng. <
Von vier Uhr des Morgens bis zu Mittage beschäfftigte er sich, Bittschriften durchzulesen, U^t
und Staatsgeschäffte zu besorgen, die übrige Zeit des Tages ist zu Uebungen in freyen Kün- das ^
sten und Kriegssachen bestimmt. Die erstem ziehen seine Aufmerksamkeit am meisten auf und i
sich. Er ist solchergestalt fähig, die Chinesen nach ihren eigenen Büchern, die Tartarn in mh h
den Kriegsübungen, und die Europäer in der Mathematik zu prüfen. Kirche
Seine Ge- Jedes Jahr seit dem Jahre 1682, da der Friede im Reiche völlig wieder hergestelletrechtigkeit, worden, ist er mit einer Armee in die Tartarey auf die Jagd gezogen. Dieses that er nicht au
so wohl zur Ergößung, als feine Tartarn in der Uebung vom Reuten, Schießen, Lagern, Hifich
und solchen Soldatengeschicklichkeiten zu erhalten, damit sie nicht wie die Chinesen, weibisch d
werden sollten. Wie glücklich er gewesen, und wie viel Verstand und Herzhaftigkeit er be- D a
festen,
,, ^ bE dieses den Jesuiten glauben, weil ben, bey vorfallenden Streitigkeiten unter den Mis- ^ ^
Gedanken bey einem so weisen Fürsten natüe- sionarien, wegen der chinesischen Bilderverehrung, '«Hüch sind, und er oft Gelegenheit hatte, ihnen diese!- zu erklären. »M,