XIV Buch XIII Capitel. 52
fanden sich einige Bücher, Dinte und Pinsel m). Er trug eine schwarze Satinweste mit 171"Zobel gefüttert, und Line Reihe junger schlecht gekleideter und unbewaffneter Verschnittenen, -Lau-v. .stund an beyden Seiten mit hart an einander geschlossenen Füßen, und die Aerme längst den ^
Seiten heruntergestreckt, welches hier als die ehrfurchtsvolleste Stellung angesehen wird v).
In dieser Pracht, die auch eine Privatperson nicht gemäßigter hätte haben können, ließ ersich von den französischen Missionarien sehen, damit sie seine Ehrerbiethung gegen seine ver-storbene Mutter und seinen Schmerzen über derselben Tode, an statt des Prachteö, der sonstbey ihm gewöhnlich ist, sehen sollten.
Als sie an die Thüre kamen, liefen sie aufs eiligste (denn das ist die Gewohnheit), bis Die Missio,sie an das Ende der Kammer kamen, das dem Kaiser gegen über war. Sie stunden hier erhal-alle eine Zeitlang neben einander, in eben der Stellung, wie die Verschnittenen, sielen als- Audienz,
dann auf ihre Knie und warfen sich dreymal zur Erde 0). Nachgehends befahl man ihnen,näher zu kommen, und vor Seiner Majestät zu knien. Dieselben erkundigten sich nach denfranzösischen Umständen, nach ihrer Reise, und wie ihnen die Mandarinen begegnet hätten.
Darauf sagte der Kaiser: gut, scher, ob ihr zu der Gewogenheit, die ich euch schonerzeigt habe, noch etwas hinzusetzen könnet. Verlanget ihr noch etwas? Ihrkönnet es frey von inir fordern. Sie dankten ihm unterthänigst, und bathen, er sollteihnen verstatten, täglich für seine Gesundheit und sein Wohlergehen zu bethen. Mit dieserAntwort schien er zufrieden zu seyn, und verstattete ihnen, sich wegzubegeben, welches ohneeinige Ceremonie geschieht.
Die große Ehrfurcht, die der Anblick des mächtigsten Monarchen in Asien in ihnen er-regte, verhinderte sie nicht, seine Person vollkommen zu betrachten. Sie hatten gleichwohlhierzu erstlich seine Erlaubniß erhalten, damit ihre zu große Freyheit hierinnen nicht als einVerbrechen angesehen würde; denn in China ist das geringste Versehen, das des KaisersPerson betrifft, strafbar.
Er war etwas größer, als mittelmäßig, mehr bey Leibe, als man in Europa für wohlge- Des Kaiser«staltet hält, und doch noch geschlanker, als ein Chinese zu seyn wünschet, von vollkommenem Gestalt.Gesichte, die Pocken hatten ihn verstellt. Seine Stirne war breit; er hatte kleine Augen,und eine kleine Nase, nach chinesischer Art. Sein Mund war wohlgebildet, und die unternTheile seines Gesichtes sehr angenehm. Endlich, war sein Blick zwar nicht sehr majestä-tisch , aber er zeigte ein sehr gutes Herz an. Seine Sitten und Handlungen sind aucheinem Regenten anständig.
Aus Seiner Majestät Zimmer giengen sie in ein anderes, wo ihnen ein Mandarin Thee Sein Ge-vorsehte, und sie im Namen des Kaisers mit etwa einhundert Pistolen beschenkte. Das schenk.Geschenk schien den Missionarien, für den, von dem es kam, klein, war aber in China groß,wo der Grundsatz aller Großen ist, so viel sie können zu nehmen, und so wenig sie könnenzu geben. Gegentheils erwies er ihnen ungemein viel Ehre, und befahl einem von seinenOfficiren, ihnen in ihrem Hause aufzuwarten />).
Das
n) Le Lonite auf der z? u. f. Seite. Le Lomtes Nachricht von China, auf der
Wie es Gemelli beschreibt. Siehe oben auf z- und folgenden Seite,der 4§A Seite.