in America. V Buch. I Cap. iz
und Gränzen unter ihnen, und alle Augenblicke sie zu verschlingen bereit. Diese gräßliche ChristophVorstellung breitete sich auf allen drey Schiffen aus, und machte einen dermaßen starken Columbus.Eindruck bey dem Volke, daß man von nichts anders redete, als man muffe den Rückweg , '49^. .nach Europa ohne Verzug vor die Hand nehmen. Die allersittsamsten sagten, der Hofkönne es nicht übel nehmen, wenn nach einer weit länger» Fahrt, als man je gethan habe,zwar ihr Muth nicht, wohl aber ihre Hoffnung verschwunden sey, und sie dem thörichtenEhrgeize eines Wagehalses, der nichts zu verlieren habe, nicht länger zu Gebothe stehen woll-ten. Andere vergiengen sich soweit, daß sie behaupteten, man müsse den hergelaufenenKerl ins Wasser werfen, und zu Hause vorgeben, er sey aus Unvorsichtigkeit hinein gefal-len , als er sich einstens nach den Sternen umgesehen H. Der Admiral begriff die Größeder Gefahr vollkommen wohl. Aber anstatt den Muth zu verlieren, nahm er vielmehr,um ein beständig heiteres Gesicht zu zeigen, alle seine Großmuth zusammen, stellete sich, alsob er ihre Reden nicht hörete, und gebrauchte bald gute Worte und Ermahnungen, baldscheinbare Vernunftschlüsse nebst der Vorstellung eines unfehlbaren großen Glückes, baldDrohungen, und die vom Könige ihm verliehene Gewalt. Dienstages den rzsten mit an-brechendem Abende schrie pinzon: Land! Land! zeigete auch in einer Entfernung von etwazwanzig Seemeilen gegen Südost etwas dunkeles, das einer Insel ähnlich zu seyn schien. DieseNachricht, welche eigentlich eine bloße mit dem Admirale abgeredete Erfindung war, hattedas Vermögen, die aufrührischen Köpfe zu besänftigen. Ihre Freude war dermaßen groß,daß sie dem Himmel feyerlichen Dank abstatteten, und Eolmnbus ließ, um seine Leutebey dieser Gemüthsbeschaffenheit zu erhalten , den Lauf die ganze Nacht über nach dieserSeite richten. Den folgenden Tag wurden sie ihres Irrthumes gewahr, und sahen, daßdie vermeynte Insel eine bloße Wolke gewesen war. Unterdessen, da aufs neue gute Anzei-Neue Zeichen,gungen von der Nahe des Landes in Westen erschienen, so nahmen sie den Weg nach dieserGegend mit desto geringerm Kummer wiederum vor die Hand. Die Fische und Vogelzeigten sich alle Augenblicke in großer Menge. Man sah dergleichen fliegende Fische, alsdie Portugiesen auf ihren: Wege nach Ostindien zum öftern antrafen, ungleichen Doradosund Empereurs; man beobachtete auch, daß die Heftigkeit der Ströme merklich abge-nommen hatte. Vermittelst aller dieser Wahrzeichen bestärkete Columbus sich selbst in sei-ner Hoffnung, und wendete zugleich eben so große Sorgfalt auf die Zeichen des Himmels. Erbeobachtete, daß die Magnetnadel des Nachts um mehr als einen ganzen Strich abwich,bey Tage aber unbeweglich gegen Norden gerichtet blieb. Die beyden Sterne, welche man dieWachter?) nennet, waren die Nacht über in Westen beysammen, stunden aber, wein,der Tag zu grauen anfing, in Nordoft. Alle diese Erscheinungen erklarete erden Steuer-leuten, bey welchen sie nicht geringeres Entsetzen als Bewundern verursachten, und derMuth, den er ihnen einzuflößen wußte, theilete sich dem sämmtlichen Schiffsvolke mit.
Den isten des Weinmonateö schätzten die Steuermänner den bisher zurückgelegten Weg; Berechnungeiner berechnete ihn auf fünf hundert acht und acf kzig Seemeilen von den Canarieninseln; ein des Weges,anderer auf sechs hundert vier und dreyßig; und der dritte wenigstens auf sechs hundertund fünfzig. Lolumbus war für seine Person versichert, er habe sieben hundert und sie-ben Meilen gemacht: um aber alles, was Schrecken verursachen möchte, zu vermeiden,sagte er ganz kaltsinnig, seine Rechnung gebe fünf hundert und vier und achtzig. Jedwe-der Tag der Woche brachte neue Anzeigungen mit sich. Den?ten bey aufgehender Sonne
B z ver-
,) Die Spanier nennen sie Loes äc Is Lorma.