24 Reisen und Entdeckungen
Christoph nagari bey dem Admirale erschien, ihn nach Hofe einlud, und ihm ein kostbares Ge-Columbus. schenk überreichete. Es bestund aus einer Larve, davon die Ohren, die Zunge und die. Nase von geschlagenem Golde waren, nebst einem vier Finger breiten Gürtel, mit sehr zarten
und wie Perlen abgerundeten Fischknochen eingefasset. . Der Admiral versprach zwar denAbgeordneten, er wolle ihren Herrn ungesäumt besuchen, erachtete es aber doch der Klug-heit gemäß zu seyn, wenn er vorerst nur einige Officiere an ihn abschickete. Diejenigen,welchen er dieses Geschafft auftrug, kamen mit so großer Zufriedenheit über die genosseneAufnahme zurück, daß er die Reise ohne weiteres Bedenken in Person antrat r). Gua-canagari hatte seinen gewöhnlichen Sih vier bis fünf Meilen weit vom Thomashafen. DieEs wird eine Frucht dieser Unterredung war eine Handelsabrede, welche ein vollkommenes VertrauenHandlung unter beyden Parteyen erweckete. Sogleich kam eine erstaunliche Menge Indianer vonpvNchen den Alter und beyderley Geschlechte bey den Caravellen zusammen. Man trug denund 'Esula- Castilianern Gold, Papageyen und Baumwolle von allen Seiten zu. Wer in ein Dorflern errichtet, kam, der wurde als ein himmlischer Mensch verehret. Die Indianer blieben unverän-derlich bey diesem einmal gefasseten vortheilhaften Vorurtheile. Sie küsseten die Erde,darüber ein Castilianer hingegangen war, und es wurden alle Reichthümer der Insel ih-rem Gutdünken beynahe gänzlich überlassen.
Schiffbruch Die See gieng zween Tage lang sehr hohl. Als aber das Wetter wiederum bessereinesSchiffes. wurde: so beschloß der Admiral, sich nach einem Orte, den er Puma Santa benennet hatte,zu begeben. Hierzu war ihm ein kühles Lüftchen behülflich. Weil er die beyden Tage-nicht geschlafen hatte: so konnte er sich der benöthigten Ruhe unmöglich länger einbrechen:doch band er zuvor den Steuerleuten scharf ein, sie sollten keinen Augenblick vom Steuerweichen. Allein, weil ihnen der Schlaf eben so nöthig fiel, so verkramten sie dieses Amteinem jungen unerfahrenen Menschen, den die Ströme auf eine Sandbank, darauf das
Schiff
-Herrera Cap. 17.
«) Der Geschichtschreiber der Znsel Sän Do-mingo bemerket, die Sandbank, aus welcher dasSchiff scheiterte, liege an der Mündung einesHa-fens, den man auf halbem Wege zwischen S-Tho-mas oder Acul und dem Cap Fcanwis antreffe.Die Spanier hatten denselben nachgehends unterdem Namen Puerro Ro^al angeleget, und dieFranzosen nenneten ihn heute zu Tage Baye Ve La-xacole. Herrcra machet eine umständliche Er-zählung von diesem Schiffbruche. Doch wem sollman mehr glauben, als dem Admirale selbst,der ihn in einem Briefe erzählet? ES sind dieserBriefe so wenige, daß wir unseres Trachtens keineGelegenheit, sie in einer Anmerkung beyzubringen,versäumen dürfen. „Montages den rasten war die„See ruhig. Es blies ein Lüftchen, das mich von„G- Thomas nach Prrnto Santo brachte. Ich„blieb bis etwa um eilf Uhr munter, hernach begab„ich mich, weil ich in zweenen Tagen und einer„Nacht nicht geruhet hatte, in meine Kammer.
»Ich hatte den Steuerleuten bereits oft genug un-tersaget, sie sollten nie, auch nicht einmal bey„Windstillen, einen Matrosen anS Steuer stellen.„Allein, sie gehorcheten mir nicht. Sobald sie er-fuhren, daß ich ein wenig ruhe, übergab derjeni-ge, an welchem der Dienst war, das Steuer dem„Volke, und legte sich schlafen. Nun besorgete ich„zwar weder Klippen noch Sandbänke, weil mei-„ne Barke», um alles Unglück zu vermeiden, bis„drey Meilen westlich von Punto Santo gefahren,„und alle gefährliche Orte erforschet hatten. In-„dem die Steuerleute schliefen, führe« das Was-„ser', ungeachtet es stille war, das Schiff unver-„merkk an eine Bank, die man leicht vermeiden„konnte, weil man das Geräusche wohl auf eine„Meile weit vernahm. Als der Matrose, der am„Steuer stund, den Sand spüre«: so sing er an zu„schreyen. Ich höre« ihn, und sprang sogleich aus„dem Bette. Von den Steuerleuten wußte kein„einziger das geringste davon, daß wir fest saßen.„Endlich kamen sie zum Vorscheine. Ich befahl„ihnen, das Schiff in die Barke, die wir nachschlep-pten,