96 Reisen und Entdeckungen
Christoph bequemern Hafen aufzusuchen. Nach einer zweytägigen Fahrt entdeckte er einen. Ungeach-Lolmnbu». tet nun ein großer Schwärm Indianer von allen Seiten herbey lief: so seHete er dochvier-. '499- . zig Mann mit Schellen an das Land. Das Geklimper derselbigen hatte eine größere Kraft,diese Wilden zum Dableiben zu bewegen, als alle Freundschafts - und Friedenszeichen.Indem aber die einbrechende Nacht die Castilianer für diesesmal wieder an Bord berief:so entstund die Vertraulichkeit durch Hülfe der Schellen und anderer europäischen Kleinig-keiten erst am folgenden Tage auf einmal. Es waren diese Indianer von mittelmäßigerGröße, aber wohlgestaltet. Sie hatten breite Gesichter und Stirnen, und eine Farbe,wie etwa die Haare eines Löwens. UcbrigenS schienen sie sehr sanftmüthig zu seyn.
(Djeda trauete ihnen soviel Leutseligkeit zu, daß er Hoffete, ste würden seine Flotte, soviel möglich, mit Lebensrnitteln versorgen. Er seHete einiges Volk ans Land, um es zu er-kundschaften. Die Einwohner lebten hauptsächlich von Kräutern und Fischen, doch mach-ten sie auch eine Gattung Brodt aus einer gewichen Wurzel, die sie Nllca nenneten. Hin-gegen gab es eine Menge wilder Thiere, und die Jagd derselbigen siel den Castilianer»Lag« des Lan- nichts weniger, als schwer. Das Wasser war in dieser Gegend ungemein gesund. Diedes, welches er Einwohner tauchten ihre Kranken, absonderlich, wenn sie das Fieber hatten, nur in kaltesentdecket. Waffer, brachten sie hernach an ein großes Feuer, und also wurden sie nach einem ctlich-stündigen Schlafe wieder gesund. Das Land an sich selbst war wegen seiner Lage und an-genehmen Luft zwar ungemein anmuthig zu bewohnen: allein, vom Golde war nicht diegeringste Spur aufzutreiben. Es liegt, soviel man aus der Folge der Fahrt ermessen kann,etwa zweyhundert Meilen über dem «Drcnoko.
Beschaffen- In den sieben und zwanzig Tagen, da die Castilianer hier ausruheten, wurden sie mitheil der Ein- ^ Einwohnern dermaßen bekannt, daß sie einen ziemlichen Theil ihrer Gebräuche erfuh-wohner. Es ließen diese Leute, um nicht den unvernünftigen Thieren ähnlich zu seyn, die
Haare sonst nirgends, als auf dem Kopfe, wachsen. Sie waren ungemein hurtig, undkonnten vortrefflich schwimmen. Sie hatten, soviel man wahrnahm, weder einen König,noch andere Oberhäupter, denen sie gehorchen mußten. Sie aßen alles, was ihnen vor-kam , und zu welcher Stunde sie beliebten. Jedweder aß, wenn ihn hungerte. Sie
aßen sitzend, und allemal nur wenig. Ihr Tafelgeschirr bestund aus irdenen Gefäßen,diesie selbst verfertigten, und aus Calebassen von mancherley Gestalt. Sie schliefen in Ha-macken von Baumwolle, die sie mit den vier Zipfeln an Bäume aufhingen. Ungeachtetsie gegen das weibliche Geschlecht eine gewisse Ehrbarkeit beobachteten: so giengen sie dochder natürlichen Nokhdurft wegen niemals bey Seite. Ihre Heirakhen waren ungezwun-gen , das ist, sie ließen weder Eifersucht, noch große Liebe gegen ihre Weiber spüren, nochgab ihnen die Eigenschaft eines Ehemannes ein besonderes Recht. Sie vermehrten sichstark , und die Schwangerschaft bcsreycte im geringsten nicht von der Arbeit. Das Ge-bären machte ihnen weder Mühe noch Schmerzen; sie badeten sich in einem Flusse, undwaren hernach eben so munter und lustig, als vorher. Allein, sobald ihnen der Vater desKindes die geringste Ursache zur Beschwerung gab: so trieben sie die Frucht mit dem Safteeiniger Kräuter ab; und weil dieses ohne ihre Beschwerlichkeit geschehen konnte, so begeg-neten
der Sammlung des Ramusro angehängt, und mag mit den Nachrichten derSpanier ziemlich übereilt, dieman übrigens von der Aufrichtigkeit ihres Ver- wir in der Folge beybringen. -Herrera schonet deSfassers gedenken, was man will: so stimmen sie doch Vesputius im geringsten nicht, und der Geschicht-schreiber