nZ Reisen und Entdeckungen
Christoph „euch zu stürzen. Allem, verlasset euch auf mich. Um euch indessen nichts zu verhehlen,Lolumbus. „so fällt es mir schwer, mich zu überreden, daß ihr nicht Gelegenheit zu einigen Klagen ge-. . „geben habet. Sie sind gar zu allgemein, als daß sie nicht gegründet seyn sollten. Die
„öffentliche Stimme wirft euch eine Strenge vor , die sich zu einer anfangenden Colonie„nicht wohl schicket und vermögend ist, Aufruhr zu erregen, welcher den noch nicht recht„befestigten Grund erschüttern kann. Am wenigsten aber verzeihe ich es euch, daß ihr,„ungeachtet meines Verbothes, einer großen Anzahl Indianer die Freyheit genommen, wel-„che keine so scharfe Strafe verdienet haben. Euer Unglück hat gewollt, daß in dem Au-genblicke, da ich euren Ungehorsam vernommen, alle Welt sich über euch beschweret,?, und„niemand für euch redete. Ich habe mich also nicht enthalten können , einen Commissar„nach Indien zu schicken, dem ich aufgetragen habe, Erkundigungen einzuziehen, und mir„solche mitzutheilen, mit dem Befehle, eine Gewalt zu mäßigen, die ihr, wie man euch„beschuldigte, zu weit triebet. Bey der Vermuthung, daß ihr wegen aller der Verbrechen„strafbar wäret, deren man euch beschuldigte, sollte er in der allgemeinen Regierung fol-gen und euch nach Spanien schicken, um daselbst von eurer Aufführung Rechenschaft zugeben. Aber seine Verhaltungsbefehle enthielten nichts weiter. Ich erkenne, daß ich„eine üble Wahl getroffen habe. Ich will deswegen schon eine Verfügung treffen, und„den Bovadilla zum Beyspiele machen, welches andere lehren soll, ihre Vollmacht nicht„zu überschreiten. Indessen kann ich euch doch nicht versprechen, euch in eure Statthal-terschaft so bald wieder einzusehen. Die Gemüther sind daselbst gar zu erbittert wider„euch. Was eure Admiralsbedienung betrifft: so ist meine Absicht niemals gewesen, euch„solche zu nehmen. Ueberlasset das Uebrige der Zeit und verlasset euch auf mich »).
Columbus erkannte, nach dem Berichte eben desselben Geschichtschreibers, aus dieserRede mehr, als ihm die Königinn hatte zu verstehen geben wollen. Er schloß, daß seineWiedereinsetzung wider die Regelt: der spanischen Staatsklugheit gewesen seyn würde; daßder König wahrscheinlicher weise ingeheim seine Partey war; kurz, daß man es bereucte,ihnso groß gemacht zu haben, und daß er sich nicht schmeicheln dürfte, den Hof zu seinem Be-sten verändert zu sehen. Ohne sich also bey unnützen Bitten aufzuhalten, dankete er derKöniginn für ihre Gütigkeit, und bath sie, zu geruhen, daß er in ihren Diensten nicht un-nütz bliebe, sondern mit der Entdeckung der neuen Welt fortführe, um dadurch einen Wegzu suchen, welcher die spanischen Schiffe nach den Molucken führen könnte. Diese Insel»waren damals wegen des Spezereyhandels ungemein berühmt, den die Portugiesen daselbsttrieben; und die Spanier wünscheten eifrigst, einen so einträglichen Handel mit ihnen zutheilen. Der Anschlag des Admirals wurde mit vielem Lobe gebilligct. Die Königinnversprach ihm, so viel Schiffe ausrüsten zu lassen, und versicherte ihn, daß, wenn ihn derTod auf seiner Fahrt überfiele, sein ältester Sohn in alle seine Bedienungen eingesetzet wer-den sollte o).
Obgleich die Angelegenheiten der Insel Hispaniola allhier nicht ferner zu der allge-meinen Geschichte von Westindicn gehören und sie in der neuen Ordnung , die man sichvorsetzet, zu der besondern Beschreibung dieser Insel verwiesen worden: so erlaubet unsder billige Antheil, den man an dem Glücke der Columben nehmen müssen, doch nicht,unsin die Geschichte der neuen Entdeckungen einzulassen, ohne vorher erzählet zu haben, was für Eh-
ren-
») Eö ist zu bedauren, daß man uns nicht meldet, wie eine so schöne Antwort auf uns gekommen ist-