in America. V Buch. IV Cap. 127
Ohrlöcher von der Größe eines Eyes. Wegen dieses UmstandeS benennete der Admiral ihr Lhrlstopl-Land Costa de (Ojesir, oder Ohrenküste ). Lolumbus.
Den i 2 ten des Herbstmonates segelte man ein Vorgebirge vorbey, das Gracias a . .
Dios benennet wurde. Denn weil sich das Land an diesem Orte gegen Süden wendet: so ^fiel die Fahrt nun desto leichter. Als aber wegen Heftigkeit der Fluth eine Barke in der Gracias'aMündung eines benachbarten Flusses zu Grunde gieng: so gab man ihm den Namen Hio del Dios.Desastre. Den ,?ten warf man Anker bey einer kleinen Insel Namens^uiririni. Gera- InselQuiriti-de gegen über, auf dem festen Lande, lag eine große Dorfschafk, die bey ihren Einwoh-"',""^nern Cariari hieß. Noch nie hatte man ein so schönes Land, noch so leutselige Einwohner ^"'wohner.angetroffen. Anfänglich kamen sie, um ihr Vaterland zu vertheidigen, mit Bogen, Pfei-len und Wurfspießen bewaffnet zum Vorscheine. Die Männer trugen ihre Haare in Zöpfegeflochten um den Kopf gewickelt: die Weiber hingegen trugen sehr kurze Haare. So-bald man durch die gewöhnlichen Friedens- und Freundschaftszeichen ihr gutes Zutrauengewonnen hatte: so brachten sie ihre kostbarsten Waaren, als zum Beyspiele baumwolleneDecken und Westen ans Ufer. Der Admiral verboth, etwas von ihnen anzunehmen, da-gegen beschenkete er sie mit allerley europäischem Tändelwerke. Dieses nahmen sie zwar mitgroßer Freude an : aber da sie sahen, daß von ihren mitgebrachten Sachen nichts ange-nommen wurde, so banden sie die empfangenen Geschenke zusammen, und ließen sie unweitdes Schiffes liegen. Den folgenden Tag schickten sie, ohne Zweifel in der Meynung, mantraue ihnen nicht, einen ehrwürdigen Greis mit zwey Mägdchen, davon das älteste noch keinevierzehn Jahre alt war, an Bord. Auch hatte der Alte eine Art von einer Fahne bey sich, die aneiner Stange fiadderre. Der Abgeordnete gab durch allerley leutselige Gebärden zu verste-hen , man könne ohne die geringste Furcht ans Land gehen, und ließ die beyden Mägdchenzurück, die ihres Ortes darüber, daß sie sich unter soviel unbekannten Mannspersonen befän-den , ganz unbekümmert zu seyn schienen. Der Admiral ließ sie bekleiden, und mit vielen Ge-schenken wieder ans Land sehen. Allein, den folgenden Tag brachte sie der Alte zu großerVerwunderung der Spanier, ganz nackend wieder zurück, und überlieferte zugleich dieKleider nebst dem übrigen, was man ihnen mitgegeben hatte. Aus Verwunderung überein so uneigennühiges Verfahren, beschloß der Adelantade, genauere Kundschaft von diesemLande einzuhohlen. Als er ausstieg, empfingen ihn zween, dem Ansehen zu Folge, vorneh-me Indianer, führeten ihn unter den Armen zu einem Haufen Gras, und ließen ihn dar-auf niedcrsihen. Er legte ihnen durch allerley Zeichen verschiedene Fragen vor, und be-fahl zugleich einem seiner Leute, dasjenige, was man aus ihrer Antwort heraus bringen könne,aufzuschreiben. Allein, sobald sie Feder, Tinte und Papier erblickten, nahmen sie in gro-ßer Bestürzung Reißaus. Zwar kamen sie wieder: allein, sie warfen den Castilianern eingewisses Pulver entgegen, das einen Rauch von sich gab, und diesen Rauch jagten sie aufden Schreiber zu. Nunmehr glaubte man die Ursache, warum sie die Geschenke nicht be-halten hatten, zu errathen. Nichts destoweniaer besichtigte der Adelantade ihr Dorf. Dasmerkwürdigste, was er da fand, war ein großes hölzernes mit Rohre gedecktes Gebäude,das einige Gräber in sich hielt. In einem unter diesen Grabmaalen lag eine ganz ausge- Indianischetrocknete Leiche, sie war in Baumwolle eingewickelt, und so wohl einbalsamiret, daß mannicht die allergeringste Spur einer Fäulniß an ihr wahrnahm. Oben über jedwedem Gra-be erschien unter allerley Thierbildnissen das Bild eines Menschen, vermuthlich des Ver-
storbe-
Ebendas. 6 Cap. und Cvlumb. Lebensbeschr. r? Cap.