278 Reisen und Entdeckungen
Ferdinand sehr harten Holze, mit scharfen Steinen überzogen, und führeten sie mit beyden Handen,Lorrez. >5'2- Die allerstarkfien führeten über dieses noch sehr schwere Streitkolben mit einer Spitze von' " Kieselsteine. Andere führeten bloß eine Schleuder, damit sie ziemlich große Steine sehr
stark und geschickt zu werfen wußten. Schutzwaffen trug niemand, als nur die Caciquenund die übrigen Befehlshaber. Es waren Bruststücke von Baumwolle, und runde theilsvon Holz, theils von Schildkrötenschaalen gemachte Schilde; diese waren da, wo wir Ei-sen dazu gebrauchen, mit Metalle, ja einige sogar mit Golde beschlagen. Alle ihre übrigenKriegesleute fochten nackend; doch waren sie, um ein schreckliches Ansehen zu machen, imGesichte und am ganzen Leibe mit allerley Farben bemalet. Die meisten trugen eine hoheKrone von Federn auf dem Kopfe, um dergestalt größer von Person zu scheinen. AnKriegesspielen fehlete es ihnen ebenfalls nicht; und wurden sie, sowohl theils um den Krie-gern Muth zu machen, als um sie wieder in Ordnung zu bringen, gebrauchet. Es warenzum Theile Pfeifen von Rohre, zum Theile Secmuscheln, und gewisse aus einem ausge-höhlten dicken Baumstamme verfertigte Trommeln, darauf sie mit Stecken schlugen. Inihrer Schlachtordnung bemerkte man zwar weder Reihen noch Glieder, wohl aber gewisseAbtheilungen, davon jedwede unter einem eigenen Anführer stund. Hinter dem Treffenstund noch ein Hinterhalt, welcher den Nothleidenden zu Hülfe kam. Ihr erster Angriffwar ungemein hitzig, und geschah mit einem recht fürchterlichen Geschreye. Hatten sie ihrePfeile verschossen, und der Feind wollte noch nicht weichen: so fielen sie ihm auf den Leib.Ihre ganze Kunst in diesem Stücke bestund darinnen, daß sie dicht geschlossen blieben. Abergleichwie sie alle zugleich angriffen, also liefen sie auch alle mit einander zugleich davon; undwenn sie, es sey nun aus Furcht oder aus irgend einer andern Ursache den Rücken einmal ge-wendet hatten: so fiel es nicht möglich, fie wieder zu Stande zu bringen.
Verlegenheit Weil die Castilianer die Gemüthsbeschaffenheit und die Gebrauche dieser Wilden noch
der Spanier, wußten: so verursachte es ihnen allerdings Entsetzen, da fie die ganze Gegend mit
einem unzähligen Heere angefüllet sahen. Nachgehends erfuhren sie, es habe dasselbe ausvierzigtausend Mann bestanden; ungeachtet man von diesem Schwärme freylich kein so or-dentliches noch standhaftes Gefecht als von einem wohl geübten Heere vermuthen konnte: sohatten sie doch Fauste, ihr Gewehr zu führen, und waren derjenigen tollen Hitze, welchedie Natur auch sogar den unvernünftigen Thieren mitgetheilet hat, fähig. Cortez sah dieGefahr wohl ein, darein er sich gewaget hatte. Doch er ließ deswegen den Muth nichtsinken, sondern ermunterte vielmehr die Genügen mit einem unbekümmerten Gesichte zumWohlverhalten. Er stellete sie an dem Fuße eines kleinen Hügels, der ihren Rücken dc-ckete, dennoch aber den Gebrauch des groben Geschützes nicht hinderte, in Schlachtordnung.
Maaßregeln Er für seine eigene Person, stieg zu Pferde, und legte sich nebst allen Reutern, die er hol-des Cvrtes. te, in ein benachbartes Gehölze, um von daraus dem Feinde, wenn es die Noth erfordern
würde,
r) Es erzählen einige spanische Geschichtschreiber, ^ Unter diesem Verwände wurden sie ange-man habe den heil. Apostel Jacob auf einem weißen nommen. Gewiß aber ist, daß Csrtez eine dar-Pferde reiten und für die Spanier fechten sehen: unter lieb gewann, nnter dem Namen MarinaCortez aber habe behauptet, es sey der heil. Petrus taufen ließ, und als seine Liebste bey sich behielt,gewesen, gegen welchen er eine besondere Andacht Sie war nach des Diaz Berichte von seltenertrug. Diaz del Castilto hingegen verwirft dieses Wun- Schönheit und vornehmer Abkunft. Ihr Vaterderwerk, und bezeuget, es habe weder er, noch seine Ca- war der Caeique Guazacoalco, einer mexieanischenmeraden etwas davon gesehen, ja, man habe bey dem Landschaft. In ihrer ersten Jugend war sie durchHeere nicht einmal das geringste davon gesprochen. einen