ZO2 Reisen und Entdeckungen
Ferdinand ten sie nun selbst Hand anlegen: so wolle er ihnen ewige Freundschaft widmen; damit wollte erLorrej. 1519. haben, sie sollten die Tempeltreppe hinaufsteigen, und alles, was sie bisher angebethet hakten,
' ^ ' zertrümmern. Ihre Antwort bestund in Thränen und Aechzen. Sie fielen zur Erde nie-
der, und erbothen sich, lieber tausendmal zu sterben, als die Hand an ihre Götter zu legen.Cortez drang nicht weiter in sie, weil er wohl sah, daß es vergeblich sey, befahl aber sei-Cortez zerstö- nen Soldaten, die Götzenbilder in Stücke zu schlagen. Im Augenblicke flog das größterer dieGöhen. hon diesen Ungeheuern über die Treppe herab, und die andern folgeten nebst den Altarenund dem sämmtlichen Geräthe dieses abscheulichen Götzendienstes, nach der Reihe. Anfäng-lich geriethen die Indianer in großes Erstaunen und Entsetzen über diese Zertrümmerung.Sie sahen einander mit ängstlichen Gebehrden an, eben als ob sie eine augenblickliche Ra-che des Himmels besorgcten. Aber als der Himmel ruhig blieb: so schloffen sie gleich denIndianern auf der Insel Cozumel, dergleichen Gottheiten, die sich nicht zu rächen vermöch-ten , wären auch nicht werth, daß man sie anbethete. Hatten sie bisher die Spanier alsLeute von einer erhabenern Gattung betrachtet, so glaubten sie nunmehr, es wären dieselbi-gen mehr als die Götter selbst. Diese Einbildung machte sie ungemein gehorsam; und alsCortez, um dieses neue Ansehen, darinnen er nunmehr stund, nutzbarlich zu gebrauchen,ihnen befahl, den Tempel zu reinigen, so griffen sie das Werk mit solchem Eifer an, daß siealle Trümmern ihrer zerbrochenen Götzen mit einander ins Feuer warfen. Das an derMauer klebende Menschenblut, welches sonst die größte Zierde derselbigen vorstellete,wurdeabgewaschen, dagegen bestrick) man die Tempelwände mit Gez, das ist, mit einem gewissenweißen und glänzenden Verrusse, dessen Gebrauch bey allen mexicanischen Häusern gewöhn-lich war. Cortez ließ einen Altar aufrichten, und gleich den folgenden Tag Messe darauflesen. Die meisten Indianer waren dabey gegenwärtig, wiewohl die Wahrheit zu geste-hen , sie mehr Bewunderung als Andacht bezeugeten. Die Zeit litt es nicht, ein so zahl-reiches Volk zu unterrichten; so war auch Cortez gesonnen, den Anfang zur Bekehrung die-ses großen Reiches mit des Motezuma eigenen Person zu machen. Unterdessen hatte manihnen doch eine große Verachtung ihrer vorigen Götzen beygebracht, und sie waren gänzlichgeneigt, den auf derselbigen Untergang gegründeten Altar zu unterhalten .
Ankunft etni- Die Spanier verließen hierauf Zampoala, welches nachgehends den Namen Neu-ger Schiffe. Sevilla bekam, und nahmen ihren Aufenthalt zu Santa Cruz. Bey ihrer Ankunft da-selbst fanden sie auf der dasigen Rhede ein kleines Schiff, welches erst vor kurzer Zeit An-ker geworfen hatte. Es kam unter dem Hauptmanne Sancedo aus Cuba, und brachtezwar nur zehn Soldaten und zwey Pferde mit, dem ungeachtet schien diese Verstärkungbey den damaligen Umständen sehr ansehnlich. Man findet die Ursache seiner Ankunft nir-gend aufgezeichnet: doch scheint es, er habe sein Glück unter dein Cortez versuchen wollen;denn er gab ihm eine sehr nützliche Warnung, in Absicht auf den Statthalter zu Cuba, esdrohe nämlich selbiger dem Cortez noch immer eine empfindliche Rache, und sey voritzt we-gen
?) -Herrera IZ und 14 C. Dia» und Sollsebendas. Die Geschichtschreiber rühmen absonder-lich die andächtige Entschließung eines aus Corduagebürtigen Soldaten, Johann de Torrez genannt,welcher um den Altar bis an sein Lebensende zu be-sorgen, ganz allein unter den Indianern zurück
blieb. Nach des Solls Urtheile Verdienste er da-durch, daß sein Name der Nachwelt aufbehal-ten würde. Nurbesagter Geschichtschreiber meldetauch, es habe der Cacigue von Zampoala dem Tor-te; acht schöne Mägdchen, darunter eine Anver-wandtinn von ihm gewesen, geschenket, und verlan-get,