zo8 Reisen und Entdeckungen
Ferdinand verheere er alles, was ihm vorkomme, mit Feuer und Schwerdte; die Natur bringe zu'fei-Lorrcj. IZ'S- ner Vertheidigung schreckliche Ungeheure hervor; der Himmel leihe ihm seine Donnerkeile.
' ^ Denn da er unter dem Schutze eines erschrecklichen Gottes stehe, und für deffelbigen Eh-
re fechte: so bekämpfe er absonderlich die falschen Gottheiten, die man in Mexico anbethe,und eben diejenigen Menschenopfer, daraus Motezuma sich einen Ruhm mache. Hieraufsuchete er seinen Leuten eben sowohl die unzeitige Furcht zu benehmen, als er den Stolzdes Cacique gedampfet hatte. Er wandte sich also mit stolzen Gebehrden gegen sie undfagete: „Nun haben wir einmal vor uns, was wir suchten! große Gefahr und große„Schätze. Von diesem Tage an ist unser Glück gemachek, und unser Ruhm fest gegrün-det.,, Solls saget ohne Bedenken, „es sey dieses seines Herzens Meynung in der That„gewesen; denn gleich bey dem ersten Entwürfe seiner wichtigen Unternehmungen, habe„ihm Gott den Muth mit einer so edlen Standhaftigkeit erfüllet, daß er ohne die Augen„vor der Gefahr zu verschließen, noch sie zu verachten, sich mit eben so großer Zuver-sicht hinein wagte, als wenn der Ausgang der Begebenheiten in seiner eigenen Ge-„walc stünde 2).,,
Sein Verfahren zog einen erwünschten Erfolg nach sich. Der Cacique von Zococh-la begegnete ihm die fünf Tage über, da er durch sein Gebieth zog, mit ganz besondererHochachtung. Gleichwohl schlug er das Anrathen dieses indianischen Herrn in den Wind,als selbiger unter dem Vorwande, die Einwohner der Landschaft Cholula waren mehr derHandclfchast, als dem Kriege ergeben, und würden folglich ihm keine Hinderniß in denWeg legen, seinen Zug durch besagtes Land anzutreten vorschlug. Er folgete lieber sei-nen Bundesgenossen, den Zampoalanern, welche darauf drangen, den Weg durch die Land-schaft Tlascala zu nehmen, indem die Einwohner zwar kriegerisch und trotzig, dennochaber seit langer Zeit Bundesgenossen der Zampoalaner und Totonaquen wären. Als esbey diesem Entschlüsse blieb, wendete er sich gegen das Tlascalische, welches an Zocochlastieß. In den ersten Tagen störete ihn niemand in seinem Zuge: aber als die bisherdurchzogene Landschaft sich endigte, so vernahm er ein kriegerisches Geräusch, und erfuhrbald darauf, das Land, das er betreten habe, greife zum Gewehre, wiewohl seine aufKundschaft vorausgeschickten Leute keine Ursache zu melden wußten. Er hielt also stille,damit er Zeit zu genauerer Nachricht gewinnen möchte.
Beschaffen- Die Landschaft Tlascala war damals ungemein volkreich, und begriff ungefähr funf-öschdbr Land- ^ Meilen im Umkreise. Ihr Boden ist uneben und voller Anhöhen, welche ein Anhangtchaft asta, derjenigen großen Kette von Gebirgen, die man nachgehends die Cordelicres nennete, zu seynschienen. Oben auf diesen Anhöhen, hatten die Einwohner um eines gedoppelten Vor-theiles willen, ihre Wohnplätze angeleget; denn hier genossen sie desto größere Sicherheit,und behielten die Ebene zum Anbaue frey. Anfänglich wurden sie durch Könige regieret.Allein, bey einem nachgehends erfolgeten innerlichen Kriege verloren sie die Lust zum Ge-horsame , warfen das Joch der königlichen Gewalt ab, und stifteten einen Freystaat, wel-chen sie bey des Cortez Ankunft schon einige hundert Jahre lang behauptet hatten. Die
r) Herreea 6 B. 2 LSolls ebendas.
§) Solls ebendas.
Dieser Orr hieß Lalpisia.
</) Sie hießen in ihrer Sprache Zopales.e) Dieser Umstand von Auswendiglernen, ist dieUrsache, warum man die Rede selbst für keine Er*dichtnng der Geschichtschreiber halten darf. Sie
lautete