ZZ4 Reisen und Entdeckungen
Ferdinand Der Einzug der Spanier in Cholula war mit tausenderley Umständen begleitet, wel-Lortex. izi-. che ihm den Schein eines Triumphes gaben. Die Stadt kam den Spaniern so schön vor,
'-^-' daß sie solche mit Valladolid verglichen. Sie lag auf einer freyen Ebene. Man rechnete
Einzug des ungefähr zwanzig tausend Einwohner darinnen, ohne die in den Vorstädten mit darunterCorres inCho» ^ begreifen, die in größerer Anzahl waren. Sie wurde unaufhörlich von einer Menge, Fremden besuchet, die sich von allen Seiten dahin begaben, als zu dem Heiligthume ihrerReligion. Die Straßen waren wohl durchbrochen, die Häuser viel größer und von einerordentlichem Bauart, als zu Tlascala. Die Tempel kannte man an ihren vielen Thür-men. Die Wohnung, die man für die Spanier zurechte gemacht hatte, bestund aus vie-len großen Häusern, die an einander stießen, und wo ihre erste Sorge war, sich nebstden Zampoalanern zu befestigen. Auf der andern Seite hatten die rlascalanischen Truppenfünfhundert Schritte von der Stadt einen schönen Posten eingenommen, den sie mit eini-gen Graben, und Wachten, nach der Art einschlössen, wie sie es von ihren neuen Bun-Verrätherey deögenossen gelernet hatte». Die ersten Tage vergiengen in vieler Ruhe. Man jah beyder Einwoh- dx,, Caciquen nichts als Eifer, dem Generale aufzuwarten. Die Lebensmittel kamen im"" Ueberflusse, und alles schien die Vorstellung zu widerlegen, die man sich von den Cholula-
nern gemacht hatte. Indessen hatten sie doch nicht die Geschicklichkeit, ihre Absichten lan-ge zu verhehlen. Der Ueberfluß an Lebensmittcln nahm nach und nach ab. Die Besucheund Liebkosungen der Caciguen höreten darauf auf einmal auf. Unter der Zeit bemerket«man, daß die mexicanischen Gesandten geheime Unterredungen mit den Häuptern der Na-tion hatten. Es war jögar auf ihrem Gesichte leicht eine Art von Verachtung zu beobach-ten, die vermuthlich von dem Vertrauen herrühret«, welches sie zu dem glücklichen Erfol-ge ihrer geheimen Anschläge hatten. Unterdessen aber daß Corkez alle seine Sorge daraufwandte, die Wahrheit einzusehen, entdeckete sie sich von selbst, durch eine von denen Schi-ckungen des Himmels, welche allem Fleiße der Menschen zuvorkömmt, und womit diewird' durch Spanier in diesem Zuge oftmals begnadiget worden. Eine alte Indianerinn von vornch-Marina ent- mem Stande, welche eine sehr genaue Freundschaft mit Marinen gemacht hatte, nahm siedecket. eines Tages bey Seite. Sie beklagete die elende Sclaverey, worein sie gebracht worden;
und lag ihr an, die verhaßten Fremdlinge zu verlassen. Sie both ihr auch eine geheimeZuflucht in ihrem Hause an. Marina, die dem Cortez stets sehr ergeben war, ftellcte sich,als wenn sie mit Gewalt unter Leuten behalten würde, die sie hastete. Sie nahm die An-erbiethung eines Zufluchtorteö auf. Sie fastete die Maaßregeln zu ihrer Flucht. Daendlich die Indianerinn glaubete, sie hätte solche nun schon soweit gebracht, daß sie an-sangen könnte, sich ihr ohne Bedenken zu eröffnen, und ihr zu rathen, sie möchte ihrenEntschluß beschleunigen: so meldete sie ihr, der zum Untergänge der Spanier angesetzeteTag sey nicht mehr weit; der Kaiser hätte zwanzig tausend Mann abgeschicket, welche sichder Stadt genähert hätten; man hätte Waffen unter die Einwohner ausgetheilet, Steineauf den Dächern der Häuser zusammen getragen, und in den Gassen viele Gräben gemacht,in denen man unten sehr spitzige Pfähle gepflanzet, die man mit Erde auf sehr leichten undzerbrechlichen Deckeln bedecket hätte, damit die Pferde dahinein sielen; Motezuma wolltealle Spanier ausrotten; er hätte aber befohlen, man sollte einige davon behalten, weil erneugierig wäre, solche zu sehen, und damit er sie seinen Göttern opfern könnte; er hatteauch, um die Einwohner in Cholula durch eine außerordentliche Gnade destomehr aufzumun-tern, der Stadt eine goldene Trummel geschenket. Marina schien sich über das, was sie
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