Band 
Dreyzehnter Band.
Seite
502
JPEG-Download
 

ZQ2

Reisen und Entdeckungen

Beschreib. Ungefähr auf halbem Wege zwischen den Vorgebirgen Cotoche und Concedcdo findetvonNeuspa- MM, den Ris de Lagarros. Er bewässert eine sehr angenehme Gegend, auch steht auf^ jedwedem Ufer ein kleines Gehölze von sehr hohen Mangobäumen. Der Fluß ist schmal,doch aber für Schaluppen tief genug. Sein Wasser ist gut, und das einzige süße, davonDampier in dem ganzen Küstenstriche vom Vorgebirge Cotoche bis auf einige Meilen vonder Stadt Campeche zu rechnen, etwas zu sagen weis. An der Ostseite des Ais de La-qarros, wird die Fischerey stark getrieben. Die indianischen, dem Könige von Spanienumerrhänigen Fischer haben da zu der Zeit des Fanges ihre Hütten, Pfähle zum Aufhän-gen der Netze, und Stellen zum Dörren der Fische. Seitdem die Ausländer, welche Cam-pechebolz fällen, diesen Weg nehmen, sind die Indianer ungemein schüchtern geworden;sobald sie ein Schiff erblicken, senken sie ihre Canote dein Wasser gleich c), sie selbst stre-cken nur die Köpfe heraus, und warten solange, bis entweder das Schiff vorbey ist, oderdie Nacht einbricht. Dampier sah sie zuweilen in eben demselbigen Augenblicke segeln,und verschwinden. An der Westseite des Flusses steht ein Wachthaus, das die Spanieram Strande halten, und ihre Indianer auf die Schildwache hineinstellen. DergleichenSchilderhäuser giebt es auf dieser Küste ziemlich viele. Einige sind von Zimmerwerke mitleimernen Wänden gebauet, andere stehen wie Vogelkäfichte auf Bäumen, sind aber dochso geräumig, daß zween Mann Platz darinnen haben, es ist auch eine Leiter zum Auf-undAbsteigen dabey. Eins von diesen Wachthäusern, das drey bis vier Meilen von Selamliegt, heißt nach einer vier Meilen davon im Lande gelegenen indianischen Stadt Linchanchi.Ein anderes, zwo Meilen von jenem entferntes, heißt Lhinchangi. Ich bin, saget der Ver-fasser, bey diesen Lauschorten an das Land gestiegen, und habe diese ganze Küste vom Bisde Lagarros bis an das Vorgebirge Concededo, theils zu Fuße, theils zur See, in einemCanote durchstrichen, aber das einzige Sistrl ausgenommen, weder Städte noch Dörfer,noch andere Häuser, als Fischerhütten angetroffen. Zwischen Selam und Linchanchigiebt es viele kleine Salzkothen, von ziemlich regelmäßiger Gestalt, und werden sie durchschmale Erddämme voneinander abgesondert. Die größte hat nicht über zehn Ruthen indie Länge, und sechs in die Breite. Im May, Brach-und Heumonate kommen die Ein-wohner besagter beyden Städte dahin, nehmen das Salz weg, und versorgen die ganze um-liegende Gegend damit: allein, sie schleichen sich allemal hinter dem Gehölze herbey, da-vor kein Schiff weder sie noch ihre Städte erblicken kann.

Drey bis vier Meilen weiter gegen Westen, findet man das höheste und kenntlichsteWachhaus an der ganzen Küste; es heißt Gisal, ist von Holze gebauet, und liegt sehr naheam Meere. Man hält es zuweilen so lange für ein Schiff, bis man durch die dabey stehendenManglebäume von seinem Irrthume überzeuget wird. Nicht weit davon haben die Spa-nier eine Schanze, die aus Merida mit vierzig bis funzig Mann besetzet wird. Merida,die ansehnlichste Stadt in ganz Pucatan, liegt nur zwölf Meilen weit davon, und wirdmeistens von Spaniern bewohnt. Man machet einen großen Unterschied zwischen dem ge-gen Osten und Norden gelegenen Theile dieser Landschaft, und zwischen dem westlichen;denn der letztere ist ohne Vergleich fruchtbarer, als jener, dem ungeachtet ist derselbige allent-halben stark mit Indianern bevölkert. Sie wohnen in Städten und Dörfern, doch stehtkein einziger Wohnplaß näher als fünf bis sechs englische Meilen am Meere. Sisal liegt

ungefähr

e) Diie Canote haben diesen Vortheil, daß sie nicht tiefer sinken, wenn sie voll Wasser sind.

i

e?