Band 
Dreyzehnter Band.
Seite
580
JPEG-Download
 

58o

Reisen und Entdeckungen

Beschreib.

»onNeuspa-

men.

Noch andereOpfer.

Gefecht zwi-schen einemPriester undGefangenen.

Leibeigenerals ein Gottverehret.

Noch gab es andere Opfer, die man nur an gewissen Festtagen vornahm, und Ra-caxipe Veliyli, das ist Menschenschinderey, nennte. Die Priester lasen einige Gefangeneaus, und schunden sie wirklich, und behingen eben so viele geringere Tempeldiener mit derHaut; diese Diener liefen nachgehends in der ganzen Stadt herum, jungen, und tanzetenvor allen Häusern. Jedermann mußte ihnen eine Gabe reichen; wer es nicht that,dem schlugen sie einen Zipfel der Haut in das Gesicht, daß es mit Blut gefärbet wurde.Dieses Sammeln währete so lange, bis die Haut zu verderben anfing, und scharreten diePriester durch diesen Kunstgriff nicht wenig Geld zusammen. An einem gewissen andernFeste mußte ein Priester mit einem zum Opfer bestimmten Gefangenen kämpfen. Der letz-tere war mit einem Fuße a-n ein großes steinernes Rad angeschlossen, übrigens aber mit ei-nem Schilde und Schwerdte bewaffnet. Eben dergleichen Gewehr hatte auch derjenige,welcher ihn opfern wollte, und das Gefecht gieng im Angeflehte des ganzen Volkes vor sich.Ueberwand der Gefangene, so entkam er nicht nur dem Opfern, sondern er trat auch inalle Titel und Rechte, welche von den LandeSgesi'Hen für die allerberühmtesten Krieger be-stimmt waren, und es wurde dagegen der Ueberwundene geopfert. Zum Beschlusse, sogieng auch die vorhin bey den Mosquiten angemerkte Gewohnheit, welche kussan für etwassehr besonders halt, unter den Mexicanern ebenfalls im Schwange: man fütterte nämlichin jedwedem Haupttempel einen Leibeigenen ein ganzes Jahr lang. Diese Zeit über stell-te er den Götzen vor; er wurde gleich ihm verehret und angebethet, endlich aber endigtesich seine Regierung damit, daß er geopfert wurde t).

Festtage. Die Einrichtung der Festtage war nicht weniger wunderlich. Das vornehmste Fest

wurde dem Götzen Vitzilipuztli zu Ehren, und allemal im Mamnonate geschert. EinigeTage vorher mußten zwey junge dem Tempeldienste geweihte Magdchen einen Teig ausHonig und Maizmehle knäten, woraus sodann ein großes Götzenbild verfertigt wurde. Beyfeiner Verfertigung waren alle vornehme Herren gegenwärtig. Nachgehends schmückete mandas Bild mit Kleidern und köstlichem Geschmeide. Man setzeke es in einem blauen Arm-stuhle auf eine mit langen Stäben versehene Tragbahre, damit man es desto bequemer tra-gen konnte. Am Festtage nun, sobald die Sonne ausgieng, erschienen alle junge Magd-chen mit weißen Kleidern im Tempel, waren mit geröstetem Maiz bekrönet, und trugenArmbänder von angereihten Maizkörnern; der ganze übrige Arm bis an das Handgelenkewar mit rothen Federn bedeckt, und die Wangen waren roth bemalt. Man nennte sie die-sen ganzen Tag über Schwestern desjenigen Gottes, dessen Verehrung sie belebten. Sietrugen das Bild auf der Baare bis in den Tempclhof. Hier übergaben sie es Jünglin-gen, die es unten vor der großen Tempeltreppe niedersetzeten. Jedermann fiel hierauf vor

ihm

»stete mir eine merkliche Geschichte; denn als dle-»ser andächtige Mann noch in demselbigen Lande„war, da fragte er einen alten Indianer aus ei-gnem vernehmen Geschlechte, warum die India-„ner sich so geschwind besonnen, und das Gesetz Ie-Ll" Christi angenommen, das ihrige aber auf eine„Seite geschmissen harten, ohne eine weitere Nach-„frage oder eine Probe anzustellen, auch ohne viel,»darüber zu streiten; sintemal einer wohl auf die„Gedanken kommen sollte, als hätten sie das auf

„keine Weise mit rechtem Verstände oder aus ge-„nüglicher Ursache gethan? Darauf gab der alte„Indianer zur Antwort, und sprach: glaube nicht,„würdiger Vater, daß wir das also unverständig„thaten, und dieß Gesetz auf ein Unbesmn aunah-„men, als du sagest Fürwahr sage ich dir, daß„wir des Gebiethens unserer Götter kein klei-„nen Ueberdruß hatten, und wir zicugen darauf um,„daß wir von ihnen hinter sich weichen, sie und„ein ander Gesetz annehmen wollten. Weil wir