lio Geschichte von Frankreich/
Denkwürdige Begebenheiten unter Hugsne Lapero.
daß die Heiligsprechung einer von den grösern Fällen sey; welche demH.Stuhle vorbehalten seyn sollen. Bonifaz VIII. machte den nemlichen An-spruch, und Urban VIII. verboth, denjenigen, welche auch sogar in dem Ge-rüche der Heiligkeit gestorben, ehender einigen Ehrendienst zu erweisen, alsbis sie von der Römischen Kirche selig - oder heiliggesprochen worden. DasHerkommen erforderte, daß der Pabst die Cardinäle darüber zu Rathe zog,inzwischen unterlies solches Sirt V. wie aus des Cardinals von IöyeuseBriefe an König Heinrich III. erhellet. „ Mitwochs, den 9 . dieses Marz-„ monats, liefen Se. Heiligkeit die Bulle im Consistorio ablesen, wodurch sie„den H. Bonaventura zu einem Kirchenlehrer gemachet, ohne daß sie das„ Gutachten der Cardinale hierüber eingehöhlet hatten."
Ein unwissendes Jahrhundert. Die Unwissenheit war so tief, daßdie Könige, Fürsten und Herrn, noch weniger aber der gemeine Mann, kaumlesen konnten. Sie kannten ihre Güther blos durch den Besitz, und be-strebten sich nicht solche durch Urkunden zu behaupten, weil sie nichtschreiben konnten. Dieses war auch Ursach, daß damals die Ehen oft an-nülllret worden. Gleichwie dergleichen Eheverträge vor den Kirchthüren ge-machet wurden, und nur auf dem Zeugnisse derjenigen berührten, welchedabey gegenwärtig gewesen; so konnte man weder an die Verwanntschaften,«och an die Grade derselben, gedenken, daher sich Blutsfreunde, ohne Dispen-sation zu haben, verheirateten. Daraus entstunden so viele Vorwandevor dein Ueberdruß und die Politic, sich von einer rechtmäßigen Gattin zu« trennen; daraus kam auch das Zutrauen, welches die Geistlichen, als dieje-nigen, die in dergleichen Sachen allein bewandert waren, sich darinn zu-eigneten ; „ Gerade so, wie die Druiden, sagt pasquier, den Schlüssel so-wohl für die Religion, als für die Wissenschaften hatten, theilten unsere„ Priester sich in diese beede Artickel bey uns — indem unser Adel kein Au-genmerk auf einen so löblichen Gegenstand richtete; denn von dieser alten„ Eselsbruc (dem Adel) kam es, daß wir dem Worte Clerc allerhand Gestal-ten gaben, welches nach seiner ursprünglichen und eigentlichen Bedeutung„auf1)ie Geistlichen gehet, und weil es nun einmal so war, daß dieselben„ den Wissenschaften oblagen, so nennten wir auch metaphorisch einen Ge-kehrten graust Llerc, einen dummen Kerl aber lvlauclerc, und die Wissen-„ schaften selbst Llergie."
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