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Chronologischer Auszug der Geschichte von Frankreich : worinnen nicht nur dieselbe vom Ursprung der Monarchie an abgehandelt, sondern auch das Merkwürdige von andern Völkerschaften erzehlet wird / Aus dem Französischen des Herrn Präsidenten von Hainault, übersetzt, von Carl Friedrich Tröltsch
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266 Geschichte v on Fran kreich,

Denkwürdige Begebenheiten unter Larln VI.

1421.

Die Schlacht zu Beäuge, welche der Marschall de la Fayette demHerzog von Clarence, Generallieutenant der Normandje in seines BrudersHeinrichs V. Abwesenheit, abgewonnen, macht dem Dauphin wiederMuth. Der Grav von Douglas, der ihm 7000. Schotten zugeführet,hatte'grosen Theil an diesem Siege, und wurde zum Conrmable gemacher.

1422.

Heinrich V. stirbt den z 1. August zu Vmcennes, und hinterlaßt seinenBruder, den Herzog von Betfort, als Regenten von Frankreich. Carl VI.folgte ihm kurz; sein Tod rettete Frankreich, gleichwie Johanns des Uner-schrockenen seiner Engelland errettet hatte. Wenn man diese unglücklicheZeiten erwäget, so kan man die Blindheit des gemeinen Mannes nicht be-griffen ; Er giebt die Grundgesetze des Staates, der Wuth einer entehrtenKönigin, und der Unvermögenheit eines Königes, der sich nicht bewußt ist,Preiß, da er sich zu einer andern Zeit weißen und zu seiner Glückseligkeitabzweckenden Verordnungen heftig wiedersehet. Anna von Oesterreich istderVorwurffdes Haffes der Pariser, und Jsabelka von Bayern ihres Ver-trauens. Man ist eins, des Königs in Engelland Unterthan zu werden,und will Heinrich IV. nicht erkennen. Mazarins Haupt 'wird vogelfreygemachet, und der Eoadjntor ist des Volkes Freund. Der Leichnam einesMinisters, der ein Vatter der Handlung und Künste gewesen, lauffet Ge-fahr , bey seiner Beerdigung zerrissen zu werden, und aus Jacob Clemen-zen seinem machet man Reliquien. Nicht als ob zu diesen verschie-denen Zeiten keine kluge Männer, die die Widerwärtigkeiten des Staatesbeseufzeten, gewesen, sondern weil sie niemals die stärksten sind, und weildie Empörung mehr Hitze voraus setzet, und wirksamer, als die Weisheitist. Heinrich VI.' Heinrichs V. Sohn, ein Kind von neun Monaten, wirdzu Paris und Londen zum König ausgerufen, aber er wurde aus diesendeeden Königreichen vertrieben. Carl VII. nahm ihm die Krone Frank-reich wieder ab, und Eduard IV. entzog ihm dieEnglische.

1422.