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dritte Königliche Linie.
Denkwürdige Begebenheiten unter Ludewig XI.
^iveim der Hochmuth voraus gehet, die Schande und der Schade sehr nahdarauf folgen." Ferner sagte er,, „daß sein ganzer Rath in sein ein„Ropfe wohnte indem erwürklich niemand zu Rath zog/ daher derAdmiral von Breze, als er ihn auf einem sehr schlechten Klepper reiten sah,sagte, dieses Pferd müßte viel stärker seyn, als es schiene, weil es denKönig und seinen ganzen Rath trug. Auf seine Ehresth er dermaßen,daß er, als er nach einer grosen Krankheit, wo ihm die Sinne vergnügen,vernommen, daß ihn einige seiner Bedienten gehindert sieh einem Fensterzu nähern, vermuthlich aus Furcht, er möchte sich herabstürzen, solche ins-gesammt wegjagte.' Er war aus Neigung geizig, und aus Politic freyge-big; er war ein Feind vorn Ceremonie!, unempfindlich und wüste keinen Un-terschied zwischen der Geschicklichkeit und Feinheit zu machen, welche letzte-re er allen Tugenden vorzog, und nicht vor ein Hülfsmittel, sondern voreine Hauptsache ansah; endlich ist er weniger geschickt gewesen, einer Ge-fahr vorzubeugen, als sich daraus loszuwickeln. Inzwischen besas er groseVorzüge des Äerstandes, und was zu verwundern ist , so hat er das Kö-nigliche Ansehen in die Höhe gebracht, du doch seine Lebensart, ^ sein Ca-racter und sein äußerlicher Verstand dem Scheine nach, solche hätten her-absetzen sollen.
Ludewig XI. hatte die Steuern um drey Millionen vermehret , und ineiner Zeit von zwanzig Jahren alle Jahre vier Millionen und siebenmal hun-dert tausend Livres erboten, welches nach heutiger Münze ohngefehü 2 z.Millionen ausmachen möchte, dahingegen Carl VII. niemals mehr als1800200. Franken in einem Jahr bekommen. Er hatte einen lustigen'Aberglauben, und wollte am Tage der unschuldigen Kinder niemals vonAngelegenheiten sprechen hören. Angleichen wollte er über das Creuz desLd. io keinen Eid ablegen, (denn die Gewohnheit über die Reliquien zuschwören war noch üblich.) Dieses Creuz des H. Lo wurde damals allenHeiligthümern, auch selbst den Reliquien des H. Martins, welche unterder ersten Linie so verehret und gefürchtet wurden, vorgezogen. DieserHerr schützte vor, man würde solchergestalt die Ehrerbietung, gegen dasWerkzeuch unsers Heils aus den Augen setzeng aber einer von seinen Ge-schichtschreibern berichtet uns, daß seine Abneigung von einer alten Sagezu seiner Zeit hergerühret habe. Diejenige, welche einen Meineid begien-gen, wenn sie auf diese Reliquie geschworen , starben, wie man damals
glaub-