ZZ2 Geschichte von Frankreich,
Denkwürdige Begebenheiten unter Franz I.
Wunde«/ eine am Gesichte gegen die Augenbraun/ die andere im Arm,und die dritte an der rechten Hand, auch fand man an seinem Kuraß eini-ge-Flintenschüsse. Er wird nach Spanien geführek. „Der Franzosen Un-„fall in dieser Schlacht, saget der Herzog von Parma , ist eine Lehre vor„alle Generale, daß sie niemals in des Feindes Gegenwart ihre KräfteHeilen sollen." Der König in Engelland giebet aus Eifersucht auf Carls V«Glucke den Anträgen der Regentin Gehör, wozu er von feinem MinisterWolsey, Cardinalen von Pork, bewogen worden. Vor dem Siege bey Pa-via war der Kaiser gewohnt, diesem Minister eigenhändig zu schreiben,und die Unterschrift hies, dero Sohn und Verrer ^arl, nach solchemSiege aber bekam er keine eigenhändige Briefe von Carln V. mehr, unddie Schreibart lautete ganz anders. (Guichardin.) Wolsey glauote belei-diget zu seyn, und suchte nach einer unter Leuten seines Gelichters gewöhn-lichen Weise seine persönliche Rache auszuüben. In Italien gab es nichtweniger Lerm; es entspann sich daselbst eine Lige zwischen dem Pabst, demSfortia und den Venedigern , Carln V. die Neapolitanische Krone zu ent-ziehen, und solche dem Marquis von Pescaire, dieses Herrn General, zugeben, welcher Ursachhatte verdrüßlich zu seyn, daß die Bewachung Franz!,zu seinem« Nachtheile dem Lanoy , Vicekönigen in Neapel, gegeben wor-den ; Carl aber wurde hiervon durch den Pastaire selbsten benachrichtiget,es sey nun daß es aus Furcht, entdecket worden zu seyn, oder aus Treue,geschehen. Carl V. befiehlet diesem General, den ungetreuen Sfortia zustrafen, die vornehmsten Orthe im Meilandischen einzunehmen. Margare-ten, Herzogin von Alencon, Franz! Schwester und nachmalige Königinvon Navarra, hatte sich nach Madrit verfüget, daselbst an der Befreuungihres Bruders zu arbeiten, aber sie kam wieder »»verrichteter Dinge zurück,und endlich wurde den 14. Jenner des folgenden Jahres nach vielen Schwie-rigkeiten ein Tractat zu Stand gebracht. Carl V. wüste sich seines Siegesnicht zu bedienen, er hatte mit gewafneter Hand in Frankreich einrücken,sich grosmüthig anstellen und seinen Gefangenen platterdings loslassen sollen,er that aberweder eines noch das andere. (Diese Frage ist in dem Guichardin«eitläuftig erörtert worden, und verdienet dorten nachgelesen zu werden).
1526.
Der König kommet nach Frankreich zurück, und giebt seine zwey Kin-der zu Geiseln. Madam von Angouleme macht« bey dieser Gelegenheit ei-