dritte Königliche Linie. g§z
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Gelangung zurKrone.
Franz H. ge-langet» den 10.Heumonat izzy.im sechzehntenJahre seines Al-ters zur Krone. Erwurde den i8.Herbftmonats desnemlichen Jahreszu Rheims vondem Erzbischof,dem Cardinal Carlvon Lothringen/ohne grosenPracht, weil ertrauerte gesal-bet. (Tagbuchdes Brularr).
Man schlug inFrankreich keineMünzen unter die-ses Herrn Namen;aber in Schottlandwurden Testons imNamen Franz II.und seiner Gemah-lin Maria, Köni-gin von Schott-land, gepraget.
Denkwürdige Begebenheiten.
Man klaget zuweilen über den Mangel an grosmMännern, und beneidet die Zeiten , welche auf einmalviele derselben hervorgebracht haben. Allerdings ist esein schönes Schauspiel in der Geschichte, wenn man sol-che ausnehmende Ereignisse liefet, welche von grosen Gei-stern vorbereitet, und mit Heldenmuthe ausgeführet wor-den. Ist aber das Volk darum glücklicher ? Nun glau-be ich zwar gerne, daß grose Männer, wenn sie untereiner wohl eingerichteten Herrschaft beysammen, und ihreGaben lediglich zum Besten des Staates venvendet sind,gross Dinge thun können und mögen; aber wie »narr der-«gleichen Umstände selten beysamm findet, also istdie Men-ge berühmter und mächtiger Personen ein grosss Uebelvordem Staat, wemr sie alle nach der Herrschaft stre-ben, solche erstlich theilen, und hernach mit Vernichti-gung derselben aufhören.
So war die Regierung Franz II. beschaffen. Die-se kurze Regierung, indem sie nur 17. Monate währete,heckte alle die Uebel aus, welche Frankreich nachmals ver-derbten , und deren vornehmste Ursache die gross Zahlder damals lebenden grosen Männer war. Die Guisen,so das Ansehen, das ihnen der König gab, misbrauchten,waren groß genug, sich gegen die Prinzen vomGeblüthe,welche wegen der Jugend des Königes , sich ein Rechtauf die Regierung anmaßten, zu erhalten, der König vonNavarra und der Prinz von Conde hatten Mittel genug,einen Anhang wider sie zu bekommen , und den Grosenim Königreich fehlte es nicht am Ehrgeiz, die Uneinig-keit zu unterhalten und im Trüben zu fischen. Die Rc-ligionszänkereyen gaben einen allzuscheinbaren Vorwand
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