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Chronologischer Auszug der Geschichte von Frankreich : worinnen nicht nur dieselbe vom Ursprung der Monarchie an abgehandelt, sondern auch das Merkwürdige von andern Völkerschaften erzehlet wird / Aus dem Französischen des Herrn Präsidenten von Hainault, übersetzt, von Carl Friedrich Tröltsch
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_ dritte Königlnche'rLinie. znz

Denkwürdige Begebenheiten unter CarlnlX.

als bey diesem Artikel vom Canzler von Hopital, der einer von den groftnobrigkeitlichen Personen und Rechtsgelehrten in Frankreich gewesen , einigeAnmerkungen anbringen/ welche den Fortgang/ so die Gesetze vom Anfangder Monarchie bis zu gegenwärtigem Jahrhundert gehabt, wieder ins Ge-dächtniß bringen werden.

Jedwede Gesellschaft hat Gesetze / ob aber gleich die Gesetze unverän-derlich zu seyn scheinen/ so ist doch gewiß/ daß sie der Unbeständigkeit derMenlchen unterworfen gewesen / und nachdem sich die Sitten und Gebrau-che änderten / eine Veränderung haben leiden müssen. Das Salische Ge-setz bat gewiß die neuen Verordnungen nicht voraus gesehen/ welche die Ca-pitularien dazu gemachet haben / weil dieses Gesetz nur solche Leute betraf,die sich allein mit dem Krieg beschäftigten/da hingegen die Capitularien mit ei-ner schon mehr eingerichteten Gesellschaft und mit vereinten Bürgern zu thunhatten / deren Leidenschaften sich unter einer andern Gestalt zeigten. DieEinführung der Lehne machte eine ungleich grösere Veränderung. Zur ZeitCarls des Einfältigen war die Zeit Carls des Grosen in Frankreich nichtmehr kenntbar/und man brauchte zu neuen Gebrechen auch neue Mittel,denn die Gesetze sind nichts anders als Mittel, und vernünftige Menschenhätten ihrer nicht sonderlich nöthig. Der Caracter der Franzosen erheisch-te zu ihrem Glück, daß sie von einem einzigen Herrn beherrschet wurden,es war daher nöthig/ daß man sie unvermerkt wieder in die glückseligen Um-stände versetzte/ wo sie nur einen Herrn hatten/ anstatt daß man sie hatteHurch eine Liebe zur Unabhängigkeit unglücklich werden lassen, wovon sie die -Folgen nicht einsahen; noch ein Jahrhundert, da die Befehdungen gegol-ten hatten, würde die Französische Monarchie gestürzet haben; mithin wa-ren Gesetze über die wunderliche Art Güther erforderlich, welchen die Klug-heit unserer Könige Schranken setzen muste, in so lange, bis sie es dahinbrachten, daß sie dabey nichts mehr zu besorgen hatten. Hieraus stoß die-se ununterbrochene Folge weiser Vorkehrungen, welche gleichsam durch einWunder von einer Regierung auf die andere fortgepflanzet worden, und wo-durch unsere Könige, ohne ihre geheime Absicht merken zu lassen, endlichdas Ansehen wieder erlangten, so für das Wohl der Unterthanen so noth-wendig war. Die Freylassung der Knechte, die Errichtung der Gemein-den, die Königlichen Fälle, die Adelöbriefe re. all diese Dinge waren eben

so