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Chronologischer Auszug der Geschichte von Frankreich : worinnen nicht nur dieselbe vom Ursprung der Monarchie an abgehandelt, sondern auch das Merkwürdige von andern Völkerschaften erzehlet wird / Aus dem Französischen des Herrn Präsidenten von Hainault, übersetzt, von Carl Friedrich Tröltsch
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dritite Königliche Linie. zzr

Denkwürdige Begebenheiten unter Ludewig X!V.

ehe als der Stifiungsbrief zu einer Düche-Pairie einregiftriret worden/ ge-storben / daß der Herzog von Revers, sein Neffe, den Bestätigungsbriefüber diese Düche-Pairie 1676. worauf im Jahr 1692. eine Sureunationertheilt wurde, erwirckte, und 1707. ohne solchen einregistriren zu lassen,mit Tode abgegangen sey, und daß endlich sein Sohn 1720. zwar keinenneuen Erhöhungsbrief, wie der P. Simplician meinte, sondern nur dieBestätigung des 1676. ertheilten bekommen, worauf ein 8oic inonwe ge-standen, die Verjährung zu Hintern. Nun hatte sich zwar drests Soitinon-tre verlohren, aber man fand das Concept davon in dex Schreiherey desHerrn de la Brilliere wieder, und der Vatter des Herrn Herzogs von Re-vers hatte, weil ihm dieser Umstand nicht bewust war 1692. einen Verjäh-rungsbrief, den er nicht nöthig gehabt, erhalten. Indessen bekam derHerr Herzog von Revers seinen Rang im Parlement vom Tage seiner Auf-nahm an, wie solches das Edict von 1711. verordnet.

Der Cardial von Mazarin war so sanft als der Cardinal von Riche-lieu heftig gewesen; eine seiner grösten Begabnissen war eine gute Kennt-niß der Menschen. Das Wesentliche seiner Politic war mehr die Feinheitund Gedulk, als die Gewalt. Da erdem Don Louis de Haro,so wie Richelieudem Herzog von Olivarez entgegen gesetzt war, wußte er, nachdem er mit-ten bey den bürgerlichen Unruhen in Frankreich ganz Teutschland vermochte,dasjenige gutwillig an Frankreich abzutreten, was ihm sein Vorfahr durchden Krieg entrissen, noch einen kostbarern Vortheil aus dem Eigensinne,welchen Spanien damals blicken lies, zu ziehen, und nachdem er ihm Zeitgelassen von Kräften zri kommen, lenkt er es endlich zur Schliesung jenerberühmten Ehe, wodurch der König rechtmäßige und vergebens bestritteneBefugnisse auf eine der mächtigsten Monarchien auf Erden erhielt. DieserMinister war der Meinung, daß die Gewalt niemals als in Ermangelunganderer Mittel angewendet werden müsse, und sein Verstand gab ihm Muthan die Hand, so wie es die Zeitumstande erforderten. Zu Casal war erkühn, bey seinem stillen Aufenthalt zu Cölln war er ruhig und geschäftig;da man die Prinzen in Verhaft nehmen muste, fehlte es ihm nicht an Ent-schlossenheit, und dennoch sah er die Spöttereyen der Fronde gleichgültigan, verachtete die Zudringlichkeiten des Coadjutors und hörte das Murrendes Pöbels so an, wie man von einem Ufer das Geräusche der Meereswel-len anhört. An dem Cardinalvon Richelieu war noch etwas gröseres, der-

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