dritte Königliche Linie. 6oz
Denkwürdige Begebenheiten unter Ludewig XIV.
1687»
Die berüchtigte Augspurger Uge, welche ein Jahr zuvor entworfen wor-den, wird auf den: Cameval zu Venedig, worauf sich der Herzog von Sa-voyen und der Churfürst von Bayern begaben, zu Stand gebracht. DieTriebfeder dieser lige war der Prinz von Oralsten, der nur Verwirrung zumachen suchte. Der Herzog von Neuburg und neue Churfürst von derPfalz nahm sie mit Begierde an, und glaubte, es heische sein Interesse demKönig viele Feinde zu erwecken, damit die Herzogin von Orleans, des ver-storbenen Churfürsten Schwester, ihre Ansprüche aufdesselben Verlassenfchastnicht gelten machen könnte. Der Kaiser, der König in Spanien, derChurfürst von Brandenburg :c,. mit einem Wort, alle Bundesgenossen vomletztem Kriege vereinigten sich.
Die Angelegenheit der Qnartiersfrepheit trug nicht wenig bey, dieAugspurger Lige zu verstärken. Der Pabst Jnnocens XI. faßte den Ent-schluß, die Quartiersfreyheit der Europäischen Botschafter zu Rom, nichtnur für ihre eigene Hotel, sondern auch sogar für die Häuser , worinn siewohnten, abzustellen; alle Botschaften hatten darein gewilligec, der Königaber, welcher Ursache fand, über den Pabst zu klagen, wollte seine Ge-rechtsame behaupten. Der Tod seines Botschafters zu Rom, des Herzogsvon Etrees, schien dem Pabst eine günstige Gelegenheit zu seyn, diesesRecht zu vernichten, worinn jener allein im Besitze geblieben. Se. Hei-ligkeit erliefen den i2. May eine Bulle, vermag welcher die gesandschast-liche Quartiersfreyheit zu Rom aufgehoben, und diejenigen, so solche zu be-haupten trachten wollten, in den Bann gethan wurden. Unter diesen Um-standen langte der vom König zum Nachfolger des Herzogs von Etrees er«nannte Herr von Lavardin den 16. November mit einem grasen Gefolge zuRom an. Der Pabst, dem die Gesinnungen des Königs nicht unbekanntseyn konnten, belegte die'St. ludewigskirche mit dem Jnterdict, worinn derHerr von Lavardin in der Weihnachtsnacht seine Andacht verrichtet hatte.
Die Stände von Ungern werden genöthigct, ihre Krone dem HauseOesterreich erblich zu überlassen, und solches zu declariren. Den 9. Decem-ber wird der Erzherzog Joseph zu ihrem König gekrönet.
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