iz6 Eines altern Mannes Briefe
meinen Sturme, da andere, die mit ihnen im Schiffesind, sich entweder durch Schwimmen, oder auf ei-nem zerbrechlichem Brette retten, und noch andereauf dem Wracke sitzen, bis sich der Sturm gelegethat. Unter diesen allen sind die allein standhaft undgelassen, welche, unter dem Schutze Gottes und derTugend, gleich vergnügt befunden werden, zu lebenund zu sterben. Die Erde ist das Schiff, das Glückist der Wind; zuweilen führet er uns wohlbehaltenin den Hafen, zuweilen brauset und tobet er, undwirft uns, in feiner Raserey, gegen Strand undKlippen. Der ist alsdann glücklich, er mag vornehmoder geringe seyn, der sich in seinem Herzen eine Ge-wissensruhe und Zufriedenheit der Seele zubereitethat! Er ist unter den Wellen des Glückes sicher,und erstaunet nicht einmal bey den heftigsten Bewe-gungen des Schiffes.
Aristoteles theilet alle die Güter, die den Men-schen zufallen können, in drey Theile, nämlich: desGlückes, welche in Neichthume und Macht bestehen;des Leibes, welche Munterkeit und Gesundheit aus-machen ; des Gemüthes, wozu Weisheit und Tugendgehören. Diese letzteren sind es, worinnen unser ei-gentliches und unveränderliches Beste besteht, indemsie weder auf dem Wechsel des Glückes noch des Lei-bes beruhen.
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