162 Eines altern Mannes Briefe
H. Die andere Stelle nächst der Ausübung derGottesfurcht, nimmt die Philosophie oder die WelL^Weisheit ein, in sofern sie nämlich die Erkenntnißseiner selbst und anderer, und die Einrichtung desGemüthes zur Mäßigung im Glücke und zur Stand-haftigkeit im Unglücke betrifft; und gehöret die Urr-terweisung und Uebung dieser Tugenden eigentlichzur Moral oder Sittenlehre an sich selbst, und ge-winnet also den dritten Platz.
Es nehme mir keiner die dreuste und an und fürsich erlaubte Neuerung übel, daß ich zu deren Ge-meinschaft rechne:
1. Die politische Historie, welche uns die rechteWirkung der Tugend und Laster zu erkennen giebt,und durch kräftige Beyspiele dahin bringt, den er-sterer: zu folgere und die letzterer: zu meiden.
2. Die Rhetorik oder Wohlredenheit, welcheuns geschickt machet, mit Worten und Vorstellungenunsern Nächster: zu erbauen und ihn zur Tugendund Vollkommenheit zu leiten.
z. Die Rechtsgelahrtheit und Policey, als da§rechte Band, welches das gemeine Wesen zusam-men hält und die Sitten läutert, wenn Worte undVermahnungen nicht zureichen wollen.
Zürn