Band 
Erster Theil.
Seite
LXXXVI
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L.XXXVI

Lebens-Beschreibung.

Sprich ihre Lieblichkeit und Engel-Anmuth aus,

Und tröste dich also und dein betrübtes Haus,

Besing uns, was sie war, und laß den Neidhard beißen,

So wirst du deinen Schah der Sterblichkeit entreißen,

Durch die gelehrte Hand, die etwas ewigs kan,

Und die von deinem Geist viel Proben hat gethan.

Du wirst durch solchen Fleiß ihr kühles Grab bepflantzenMit Zweigen vom Parnaß; und selbsten dich verschantzcnVor jenem letzten Feind, der voller Macht und ListUnd dennoch uns nichts nimmt, als was verweslich ist.

In dem nachgehenden 1694.. Jahre bekam unser Herr von BesserCchmfl. schrifftlichen Befehl, zu Einweihung der damahls neugestiffte-tjen hohen Schule zu Halle,achtTage vor Dahinkunfft des Hofes,vor-aus zu gehen, die Ceremonien-Einrichtung allda zu veranstalten undhernach solche zu beschreiben. Dieses zerstreuete einiger Massen seineBetrübniß.Nicht minder zog ihn bald hernach die Danckbarkeit gegenseinenGönner von seiner so traurigen zu einer aufgeweckterenBefchäff-tigung; da er das vortrefliche Lob-Gedicht auf seinen mächtigen Be-förderer den Herrn von Danckelmann schrieb. Der Verfasser hattesolches dem Churfürsten nicht so bald vorgelesen, als er so gleich vonhöchst demselben mündlichen Befehl erhielt, solches der Presse zu un-tergeben. Er schickte es daher an seinen wehrtesten Freund, den wegenseiner Viel-Gelehrsamkeit Weltberühmten Fricdr. Benedict Carp-zov in Leipzig, welcher es allda zum Drucke beförderte. Der Verfer-tign aber theilte solches so dann, seinem Beschützer zu Ehren, nicht nuröffentlich dem Hof aus, sondern versäumte auch nicht, Abdrucke da-von an alle und jede Stände der sämmtlichen Churfürstl. Länder zusenden. Es ist wahr, daß der Herr von Besser so glücklich gewesen,ansehnliche Gönner, seiner Poesie und seiner edlen Schreib-Art hal-ber, zu finden, die sich seine Beförderung auf das eifrigste angelegenseyn lassen, und ihn noch überdieses mit reichen Geschencken übcrhäuffthaben. Aber eben seiner Dicht-Kunst und seiner geschickten Federbediente er sich auch als eines Mittels, theils seiner Beförderer bereitserworbene Gunst beyzubehalten, theils ihre Verdienste gegen den

Neid