Band 
Erster Theil.
Seite
XCVI
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XCVI

Lebens-Beschreibung.

kennen. Ich ließ mich also einige Tage hernach, durch einen seineralten und wehrten Bekamen aus Berlin, den letztverstorbenen hiesi-gen Königlichen Concert-Meister und Weltberühmten Virtuosen,Herrn Woulmyer zu ihm führen. Dieser suchte mich ihm, in meinerGegenwart, auf das beste zu empfehlen. Der -Herr von Besser aber,indem er mich bey der -Hand ergrif, siel ihm in das Wort, und sagte:„Es braucht hier keiner Empfehlung; wann es Herrn KönigsSchriff-„ten nicht schon gethan hätten, so würde es ieho seine Person thun, in-„dem ich mich bey ihm des von jenem Griechischen Weltweisen in ei-gner gleichen Gelegenheit gethanen Ausspruchs gegen einem Frem-„den, bedienen kan: daß nemlich aufseiner Stirne sein bestes Em-„pfehlungs-Schrciben zu lesen sey. Mit solchen Worten führte ermich in seinen Bücher-Saal, und nachdem mein Begleiter sich wiederwegbegeben, ich aber dem Herrn von Besser in den drey Stunden, solang ich, auf sein Nöthigen, bey ihm bleiben muste, unter andern auchmancherley von meiner Hochachtung für seine Schrisften vorgesagthatte, und wie ich mir von ie her eine Ehre daraus gemacht, allen mög-lichsten Fleiß anzuwenden, damit ich meine Schreib-Art nach der sei-nen ausbilden möchte: So zeigte er darüber ein besonders Vergnü-gen, wiest mir das Seltenste von seinem zahlreichen Bücher-Vorra-the, bat sich aus, ihn öfftersund ja bald wieder zu besuchen, und ihmvon meinem Hetden-Lob aufJhro Königl. Majest. in Pohlen etwasvorzulesen, welches ich eben damahls angefangen hatte.

Als ich ihm, einige Zeit hernach, so viel als fertig war, davon vor-las, umarmte er mich auf das zärtlichste, und versicherte mich seinesvollkommenen Beyfalls; bat mich aber, aus Freundschafft für ihn,zween Verse zu ändern, die ihm, wider meine Absicht, nachtheilig seyntönten. Er hatte nemlich einen Entwurf zu der Einholung und demEinzug Ihrer Hoheiten der Königl.Prinzeßin aufsetzen müssen; sol-cher ward aber, weil Jhro Majest. der König es in dergleichen Anord-nungen allen Menschen zuvorthun, bey Seite gelegt, und durch ZhroKönigl. Majest. selbst alles und jedes veranstaltet. Nun hatte ich anden König folgende zween Verse mit einstießen lassen: