ov Lebens-Beschreibung.
ich ein so gutes Vernehmen, durch mein Zureden, bestens zu unterhal-ten. Es konte mir solches auch um desto leichter gelingen, als eine ge-wisse Weibs-Person, die auf beyden Seiten zu mancherley Mißtrau-en Anlaß gegeben hatte, im vorigen Jahre bereits aus der Welt, folg-lich aus seinem Hause geschieden war. Seine Frau Tochter schriebendlich unter andern,daß sie, aus Sehnsucht ihn noch einmahl zu sehen,mit den Ihrigen eine Reise nach Sachsen anstellen und ihn besuchenwolle. Weil er aber, auf solche Weise als vormahls in Berlin, hierweder in seiner Wohnung, noch in andern Dingen ausgerüstet war,auch seiner übrigen hiesigen Umstände halber, dergleichen Besuch nichtgerne sah, und doch auch die Seimgen noch einmahlzu sprechen eingleichmäßiges Verlangen empfand; gantz allein aber, ohne einenvertrauten Reisegefärten, diesen weiten Weg von bey nahe hundertMeilen, in seinem hohen Alter, zurücke zu legen, sich nicht getrauete:So that er mir den Vorschlag, ob ich ihm zu Liebe, eine solche Reisemit antreten wollte, und nannte sich mir von neuem äusserst verbunden,als ich ihm solches, sonder einigen Anstand, alsofort mit Hand undMund zusagte. Unterdessen kam vielerley dazwischen, welches ver-hinderte, daß die Reise im Frühjahre 1728. wie er anfangs willenswar, nicht für sich gehen konte. Binnen solcher Zeit fieng er an, nachseinem Bücher-Verzeichnisse, seine Bibliotheck mit mir durchzugehen,mir solche Stück für Stück zuzuzehlen, und das Merkwürdigste beyeinem ieden zu erinnern. Seine Ceremonie! - Schrifften, davon ermich vorher in so vielen Jahren ein oder das andre nur manchmahlStück-weise sehen lassen, gieng er nun allesamt mit mir durch; wießmir seine gemachte Einrichtung und Eintheilung derselben; brachtesolche mit mir in genauere Ordnung und unter gewisse Titel; ließ sodann iedes Stücke von einer besondern Abhandlung einzeln einbin-den; zeigte mir, wie ich, nach seinem Begriff, die Register zu meinemkünfftigen Gebrauch darüber verfertigen; auf was Art und Weise ichmich derselben nützlich bedienen; in welchen Büchern ich das dahin ge-hörige finden, und was ich noch und auf was Art ich dasselbe dereinstdazu nachtragen sollte. Als der Sommer darüber zu Ende gieng,zeigte er mir eines Tags die schrifftlichen Anmerckungen,so er zu Ste-vens
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