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Lebens-Beschreibung.
Als er endlich das gantze Gedichte von Anfang bis zu Ende mitgrösterAufmercksamkeit angehört hatte, sprang er mit einer freudigenBestürtzung auf, umhalste und küste mich herhlich, und betheurte mirunter dem vertrautesten Händedrücken, daß ich ihn weder auf eine em-pfindlichere Weise verbinden, noch ihm ein angenehmers Merckmahlmeiner redlichen Zuneigung als dieses hätte geben können. Er liefunverzüglich in der Fräulein Zimmer, ihr zu verkündigen, was ich ihmfür einen Gefallen erwiesen, und was ich ihr zum Ruhme verfertigethätte. Des Mittags bat er mich über der Tafel, daß ich selbst derFräulein die Verse laut vorlesen möchte; und ich muß gestehen, einihr bey Anhörung derselben ins Gesicht gestiegenes Schamroth, warein sichtbarer Beweis, daß sie der darinn enthaltenen Lob-Sprücheweit würdiger, als ich desjenigen Dancks gewesen, welchen sie mir,wegen dieser kleinen Bemühung, vorzusagen beliebte. Der -Herr vonBesser selbst ermüdete nicht, ihr ernstlich einzuschärffen, mit was be-sondrer Gegen-Freundschafft sie mir hievor begegnen sollte, weil dieseseine Sache wäre, davon sie nicht nur ietzo, sondern auch noch künfftigEhre zu gewarten hätte, wann ich solches dereinst einer Sammlungmeiner eigenen Gedichte mit einverleiben würde: warum er mich auchzu gleicherZeit ersuchte, mit der Versicherung, daß es eines der bestenStücke wäre, so er jemahls von mir gelesen. Er gestand öffentlich,daß er dergleichen Fertigkeit von der Natur nicht empfangen, undschon in seinen besten Jahren wenigstens so viel Monate zu Abfassungeines solchen Gedichts würde vonnöthen gehabt haben, als ich Stun-den zu dessen Verfertigung aufgewendet hätte. Er laß es mehr alseinmahl durch, und wieß den Seinigen ieden Einfall ins besondre, wieauch den Schwung und den Ausdruck der Gedancken, nebst der gan-tzen Erfindung überhaupt; worüber er mehr Lobes-Erhebungen ver-schwendete, als ich, ohne beschämt zu seyn, damahls anhören konte, ge-schweige, daß ich unbescheiden genug seyn sollte, dergleichen allhiernachzuerzehlcn. Er wiederholte von neuem, was er ihnen gleich an-fangs bey unsrer Hinkunfft vielfältig bckräfftiget hatte, daß sie nem-lich ihre Liebe gegen ihn nicht nachdrücklicher würden zu Tage legenkönnen, als wann sie sich allerseits um die Wette bestreben wollten, sei-nen