Band 
Erster Theil.
Seite
71
JPEG-Download
 

Staats-und Lob-Schafften. ?r

Jedoch, es sey dem so, dürfft etwa» einer sprechen:

Du seyst geschickt und treu, in deinem Dienst und Amt;

Vielleicht hast aber Du dabey auch viel Gebrechen?

Weil doch ein grosses Feur nicht sonder Dampffcn stammt»

Der meisten Leute Gold ist schlackig! und vermenget:

Der ist ein grosser Mann; doch ein geringer Christ.

Der hat durch seine Kunst sich zwar herauf gcdrcngct;

Doch zeiget auch sein Zwang, daß er gcdrcngct ist.

Er hat viel Wissenschafft; und sehr gemeine Sitten,

Ist niedrig von Gemüth, und sieht auch niedrig aus,

Die Tugend kreucht bey ihm in räucherichten Hütten;

Weil er so lcimern ist, als seines Vaters Haus.

Der ist noch wohl dazu vom Eigennutz besessen,

Ist neidisch, falsch und sioltz, voll Nachgier und voll Grimm»

Der ist in seinem Thun zu säumig und vergessen:

Der aber allzuschnell und sattelt stündlich üm.

Der hat gar keinen Muth, der weiß gar nicht zu hoffen,

Und dieser wird zuleicht in seinem Schlüsse weich.

Kurtz : wie das Sprichwort heist: der Küriß ist wo offen lUnd selten ist ein Mensch in allen Stücken gleich.

Allein, wenn jedes Feld nicht reinen Weitzcn traget;

Geht er in etlichen doch sonder Unkraut auf.

Und zwar, wie weit man Dir diß Gleichnis beygeleget,

Das untersuchet man in deinem Lebens-Lauff.

Ein Spötter wage sich, und finde was zu höhnen,

Trotz dem, ders mit Bestand der Wahrheit leisten kamDu bist zwar auch ein Mensch; doch darff man nichts beschönen,Und schriebe man Dir auch der Jugend Fehler an.

Du hast so lange Jahr nunmehr vor uns gewandelt;

Man zeige, welche That Dir vorzurücken sey.

So, wie Du GOtt gedient, hast Du mit uns gehandelt,

Aufrichtig, sonder Trug, und sonder Heucheley,

Dein Herr kau Dir hierinn das beste Zeugniß geben,

Bey ihm ist Frömmigkeit der allergröste Ruhm;

E 4 Wer