74 Staats - und Lob - Schrissrm.
Wenn wo Begnadungen, wenn Aemter auszutheilen,Schlägst Du nicht alsobald die Reichsten dazu vor.
Man sieht Dich auch damit nicht auf die Deinen eilen;
Die Freunde bringest Du am wenigsten empor.
Hast Du doch selbst hierinn der Bruder nicht geschonet,
Ob ihnen ihr Verdienst gleich keiner leugnen kan,
Wenn Friedrich, der gerecht, sie nicht für sich belohnet,Wie würdig sie auch sind, Du hättst es nicht gethan.
Du widersprachst wohl gar, um nicht auf Dich zu laden,Als wärest Du durch sie, Dir wohlzuthun, gemeynt.
Was überall sonst hilfst, solt einem bey Dir schaden;
So sehr ist dein Gemüth dem Eigennütze feind.
Viel fragen wunderlich, was mit Dir zu beginnen?Geschencke nimmst Du nicht; wie kommet man Dir bey?Du achtest auch nicht Gunst; wie soll man Dich gewinnen?Und werden nicht gewahr, wie leicht es ihnen sey.
Was sehen sie sich um nach vielen krummen Wegen?
Nur wohl und recht gethan, das ist der nähste Weg.
Du denckest keinen Freund Dir etwan zuzulegen:
Des Herren Nutz und Dienst, das ist dein gantzer Zweck.Wer den befördern kan, dem bist du schon gewogen,
Und mehr, als wenn er Freund und dein Verwandter wär.Wie mancher Fremder ist von Dir hicher gezogen!
Wie manchen ziehst Du noch von Ost und Westen her!
Ich halte, meiner seits, es gar für kein Gelücke,
Nicht für ein blindes Löß, Dir angenehm zu seyn.
Wer sich bekannt gemacht, hat Tugend und Geschicke,
Der schreibt nothwendig sich in deine Freundschaft ein.
Zwar ist es öfters schwer, vor und zu Dir zu kommen;
Viel meynen, daß Du auch oft ungeduldig bist.
Allein, wenn wir uns selbst nicht recht in acht genommen;Was giebt man Dir die Schuld, da man selbst schuldig ist?Warum gedenckt man nicht die Zeit zu unterscheiden?
Der kommet, wenn dein Amt dich mehr als überhäuft.
Du