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Die Staatslehre des Aristoteles in historisch-politischen Umrissen : ein Beitrag zur Geschichte der hellenischen Staatsidee und zur Einführung in die aristotelische Politik / von Wilhelm Oncken
Entstehung
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§. fi. Die Ausgaben und die Ordnung der Bücher.

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von Yictorius, Camerarius, Sylburg, Casaubonus, Schneider, Koraes,verwerthet mit gründlicher Gelehrsamkeit, Scharfsinn und eindringen-der Kennthiss des Schriftstellers und seiner Sprache. Die sachlicheErklärung ist nur in Einzelheiten gefördert worden. Ausser dem an-gehängten Commentar verdienen vier zu Jena erschienene Abhand-lungen zu schwierigen Stellen der Politik Beachtung, h

Ueber die Umstellungsfrage geht Göttling ebenso hinweg wieSchneider; eine einzige Stelle, die weder für noch gegen beweist, sollden ganzen Streit schlichten; nach seiner Meinung ist Alles in besterOrdnung.

Epochemachend für die Kritik des aristotelischen Textes im All-gemeinen, die der Politik im Besonderen ist das Jahr 1831, denn indiesem ist die grosse Berliner Aristotelesausgabe erschienen, welchedie Akademie der Wissenschaften in Berlin auf Anregung Schleier-machers unternommen und der berühmte Schüler F. A. Wolfs,Immanuel Bekker, zu Stande gebracht hat.

Diese Aristotelesausgabe nach 101 von dem Herausgeber selbstverglichenen Handschriften ist nicht nur ein grossartiges Denkmaldeutschen Gelehrtenfleisses, sondern auch eine entscheidende Tliatjener von F. A. Wolf begründeten philologischen Richtung, welcheBekker zuerst in Deutschland und damit in Europa zur Herrschaft ge-bracht hat, und deren wesentlichste Eigenheit eine streng wissenschaft-liche methodische Kritik der Textesquellen, der Handschriften, ist.Bekker ist der Schöpfer des apparatus criticus, wie die Philologensagen, d. li. er hat zuerst in mehreren grossen Leistungen die obersteForderung aller modernen Philologie praktisch erfüllt, indem er beiHerstellung seiner Texte erstens von einer gewissenhaften, vollstän-digen Sammlung aller erreichbaren handschriftlichen Lesarten aus-ging und dann bei der Auswahl dieser Quellenangaben nach diplo-matischen Gründen, nach Rücksichten auf den Geist und Sprach-gebrauch des Verfassers methodisch verfuhr.

Auf diese Weise sind die Ausgaben des Thukydides und Tacitus,der attischen Redner und des Aristoteles entstanden.

Der Text des Letzteren beruht auf einer Vergleichung von 10 tHandschriften in Deutschland, Italien und Frankreich.

1) 1821 de notione servitutis apud Aristotclem.

1855 de Politicorum loco II, 3.

1856 de machaera Delphiea.

1858 de loco primi libri Politicor. p. 1253, 1.

Dazu 1859 de veneno Stygis quod Aristoteles fertur misisse Alexandro.