§. 6. Die Ausgaben und die Ordnung der Bücher.
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ten, ob sie auf Pergament oder Papier, ob sie in Uncial - oder Cursiv-schrift geschrieben sind, und in welches Alter sie nach solchen und an-deren Anzeichen wahrscheinlich fallen. Nicht ein Wort über die Gründe,aus denen ihm diese oder jene Handschrift vorzüglicher scheint, als eineandere; warum er die Lesart des Textes das eine Mal dieser, das andreMal jener entlehnt. Er hat versprochen, eine Erklärung über all diesescommodiore loco zu liefern, aber bis zu dieser Stunde ist dies Ver-sprechen nicht erfüllt worden.')
So blieb, um Licht zu schaffen über die Genesis des Textes, Nichtsübrig, als einerseits dem Apparate selber seine Methode abzulauschen,andererseits unter den von B. benutzten Handschriften mindestenstheilweise Nachlese zu halten. Das Eine hat Stahr in seiner untenangeführten Recension, das Andre hat Barthelemy St. Hilaire inseiner Ausgabe der Politik gethan. Her erstere hat nachgewiesen, dassder Vollständigkeit der Ausgabe durch Nichtbenutzung ihrer Vorgänger,insbesondere der Göttling’schen, die trotz ihrer werthvollcn Varian-ten gar nicht erwähnt wird, ein grosser Nachtheil erwachsen ist, unddass des Herausgebers Verfahren an Stellen, wo er gegen die Hand-schriften eigne Vermuthungen in den Text aufgenommen hat, durch-aus einer Rechenschaftsablage bedurft hätte. Der letztere hat gezeigt,dass von den 11 Pariser Handschriften der Politik B. nur 3, und vondiesen 2 nicht einmal vollständig, benutzt hat. Dabei müssen wir frei-lich mit Stahr offen zugestehen, dass die Nachträge, welche Barthelemyaus seinen andern Handschriften beibringt, für die Reinigung desTextes fast gänzlich werthlos sind, Bekker mithin mindestens in seinerAuswahl im Wesentlichen das Richtige getroffen, wie er denn im All-gemeinen mit einer Genauigkeit gearbeitet hat, welche alle seine Vor-gänger verdunkelt.
Die Ausgabe von Barthelemy St. Hilaire Paris 1S37(I. CLXXX1X u. 327, II. 559 S.), welche griechischen Text, franzö-sische Uebersetzung — besser gesagt, sehr freie Paraphrase — undCommentar enthält, zeugt von ungemeinem Eleisse, namentlich in
1) Stahr sagt darüber Berliner Jahrbb. für wissenschaftl. Kritik 1833 S. 430:»Welch einen Einfluss ein solcher Mangel auf die Möglichkeit einer Beurtheilunghat, wie hemmend und störend er für den Gebrauch selbst werden müsse, darüberkann kein Zweifel sein : indem dadurch der ganzen Ausgabe der Charakter des Ab-stossenden aufgeprägt scheint, ist darin zugleich der Grund zu suchen, wesshalb sieim Ganzen bis jetzt so wenig anregend auf das Studium des Aristoteles gewirkt hat.«Sehr wichtig sind die Mittheilungen von Torstrick über die Authentica der BerlinerAusg. Philologus XII, 529.