l6 Der Hang zu allgemeinen Gesetzen
arbeitet, und es nicht gewagt haben, eine allgemeine Regeldes Schönen festzusetzen, und ihren Meißel nach dieser zuführen. Die römischen Gesetze bewundert man, und mußsie gleich den griechischen Kunstwerken bewundern, weil emjedes derselben einen einzelnen Fall zum Grunde hat, undallemal eine Erfahrung zur Regel für eine völlig ähnlicheBegebenheit darbietet. Man spricht täglich davon, wienachtheilig dem Genie alle allgemeine Regeln und Gesetzeseyn, und wie sehr die neuern durch einige wenige Idealegehindert werden, sich über das mittelmäßige zu erheben;und dennoch soll das edelste Kunstwerk unter allen, dieStaatsverfassung, sich auf einige allgemeine Gesetze zurückbringen lassen; sie soll die unmannigfaltige Schönheit einesfranzösischen Schauspiels annehmen; und sich wenigstensim Prospekt, im Grundriß und im Durchschnitt auf einemTogen Papier vollkommen abzeichnen lassen, damit dieHerrn beym Departement mit Hülfe eines kleinen Maas-stabs alle Größe» und Höben so fort berechnen können.
Ich will es nicht untersuchen, ob die gelehrte Natur einenHang zur Einförmigkeit genommen, oder das ruhige Ver-gnügen allgemeine Wahrheiten zu erfinden, und Gesetze fürdie ganze Natur daraus zu machen, diese unsre neumodischeDenkungsart beliebt gemacht, oder auch der Militairstand,worinn oft hundert tausend Menschen das Auge auf einenPunkt richten, und den Fuß nach dem nehmlichen Tackte se-tzen müssen, sein Exempel zur Nachahmung empfohlen habe.Mau mag hier annehmen was man will, die Wahrheitbleibt allemal, je einfacher die Gesetze, und je allgemeinerdie Regeln werden, desto despotischer, trockner und armse-liger wird «in Staat *).
Ich
*) Der Herr von Montesquieu sagt eben dieses; aber der ä.m«vrge l»H«orw ä» wir 1767.) S. 94. ,n der
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