50 Vorschlag/ wieder Theurung des Korns
im Kirchspiel dieser Gilde helfen müßt«; so würde diese Gil-de mit vereinten Kräften Geld oder Credit und Bürgen fin-den, und sich solchergestalt auch retten können. Es sind vie-le Dinge, die eine Compagnie oder Gilde mit genügsamerMacht unternimmt, ein einzelner Mann aber wohl liegenlassen muß. Das schlimmste bey den Rettungsanstalten zurZeit der Theurung ist insgemein die erste Anstalt zum An-kauf des Korns und die erforderliche geschwinde und vor-schüßige Bezahlung. Aber hier tritt nun in guten Staaten dieglückliche Fürsorge der Landesherrschaft ein. Dieselaßt daSKorn auf dem nächsten und wohlfeilsten Orte kaufen, thutden Vorschuß, und borgt dem Kirchspiel oder der Gilde unterihren Vorstehern oder Bürgen. Diese dürfen also nur hin-schicken, abholen, und es so vorsichtig vertheilen, daß siedas Geld dafür zur gesetzten Zeit wieder einliefern können.Diese Hülfe kann keine Landesherrschaft einzelnen Menschenangrdeyen lassen; weil sie sich in unendliche Weitlauftigkeitund mit großer Unsicherheit einlassen würde. Allein einerGilde unter Vorstehern und Bürgen kann sie ohne diese Un-bequemlichkeiten desto leichter helfen.
Die Erfahrung halln diesem Jahre gewiesen, daß vieleAemter und Kirchspiele, ohnerachtet sie Mangel zu habenschienen, lieber ihren Miteinwohnern aus ihrem eignen Ver-rathe mittheilen, und sich so viel sparsamer behelfen, als dieFuhren zur Abholung deS fremden Korns leisten wollten.Andre, welche ins wilde gefordert hatten, traten aus glei-cher Ursache zurück, machten es wie feste, und begehrten nuretwas weniges. Andre, worinn die Landleute genug hatten,wollten den Dvrfgeseffenen nicht aushclfen, und auch nichtfür sie fahren. Mancher Sandmann, der zwar nichts übrig,«her doch für sich genug hatte, behalf sich sparsamer, und»ermischt« seinen Rocken mit andern Körnern, um seinen