zz Die liebenswürdige Kokette,
Brantewein zu geben. Hier hatten Sie sehen sollen, wiedem guten Kerl die Thränen in feurigen Kugeln von denWangen herunter rollcten; er fieng an zu schluchzen, undnie habe ich die feinste Liebeserklärung mit solcher heimlichenWollust genossen, als die Dankbarkeit dieses Greises.
Wie er weggienq, kam ein andrer mit Einem Arme.Guter Freund, sagte ich zu ibm, wo habt ihr euren EinenArm gelassen? Hier lies ich ibm seine Heldenthaten erzählen,wie er unter dem Herzog Ferdinand gefochten, wie er imFelde acht Tage lang oft nichts als Kartoffeln aus der Aschegegessen, und doch niemals so sehr gehungert hatte als jetzt.Ich fragte ihn nach allem was er von dem Herzoge wußt«und freuete mich, daß seine Augen immer heiterer wurden,je mehr er von ihm sprach. Durch alles fragen, loben,und bedauren, wobey ich ihm zuletzt mit einem unempfind»samen Blicke sagte: er wäre wohl in seinen jungem Jahren«in hübscher Kerl gewesen, und ihm darauf einen Dukatenin die Hand drückte, und einen Scheffel Roggen zu gebenbefahl, setzte ich den Mann in eine solche Entzückung, daßer mir mit einem Eyfer, den ich an einem Prinzen Unver-schämtheit genannt haben würde, auf die Hand fiel, undsolche küssete, ehe ich sie wegziehen konnte. Ey! werdenSie sagen, sich von einem Better die Hand küssen zu lassen!Ja nun! es ist geschehen, und die Erinnerung macht michnicht roth.
Fwanzigmal gebe ich aber armen Frauensleuten einigeGroschen, ohne in die Versuchung zu gerathen, mit ihnenein bisgen zu wimmern und zu seufzen, und ihnen Thränender Dankbarkeit abzulocken. Mein Mann legt dieses alsdie offenbarste Probe meiner Koketterie aus, und ich weisselbst nicht, was ich dazu sagen soll, daß mich eine männ-liche Thräne mehr rührt als tausend weibliche. Es sey aber
Koket-